Um 192 000 Handys geht es, die bei getgoods lagerten, aber der Firma Brightstar gehörten. Das Frankfurter Unternehmen soll diese Handys auf eigene Rechnung verkauft haben. Das wäre Unterschlagung und zudem aktienrechtlich relevant, weil getgoods damit den Verkaufserlös als eigenen Umsatz ausgewiesen hätte, sagt Staatsanwalt Sören Schrade. Die Anzeige von Brightstar sei Mitte vergangener Woche eingegangen, das Amtsgericht habe, da die eingereichten Belege plausibel erschienen, einen Durchsuchungsbeschluss erlassen.
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Der wurde am Montag in die Tat umgesetzt - an drei Orten: den beiden Firmenstandorten sowie dem Privathaus des Unternehmenschefs Markus Rockstädt-Mies. Drei Dutzend Beamte des Landeskriminalamtes sowie fünf Staatsanwälte waren beteiligt - für Brandenburger Verhältnisse ein Großeinsatz. Die Auswertung der gesicherten Computerdaten, sagt Staatsanwalt Schrade, werde einige Wochen in Anspruch nehmen.
Markus Rockstädt-Mies wies die Vorwürfe im Interview mit dieser Zeitung zurück. Die Verträge mit Brightstar würden seine Sicht der Dinge bestätigen. Letztlich habe das Verhalten von Brightstar getgoods in die finanzielle Schieflage gebracht und für die heute "unschöne Situation" gesorgt.
Unterdessen bestätigte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), dass man die Kursbewegungen im Zusammenhang mit der Pleite analysiere. Bereits zwei Tage vor dem Eingeständnis der Zahlungsunfähigkeit der 200-Mann-Firma waren sowohl der Kurs der Aktie als auch der Unternehmensanleihe angesichts massiver Verkäufe deutlich nach unten gegangen - weshalb der Verdacht des Insiderhandels im Raum steht. Sollten sich tatsächlich Anzeichen für Marktmanipulation ergeben, werde man den Fall näher untersuchen und gegebenenfalls der Staatsanwaltschaft übergeben, so BaFin-Sprecherin Dominika Kula.
Der vorläufige Insolvenzverwalter der getgoods.de Vertriebs GmbH werde sich zu den Vorwürfen der Ermittler nicht äußern, sagt Christoph Möller, Sprecher von Verwalter Rüdiger Wienberg. Man werde aber die Staatsanwaltschaft unterstützen. Im Übrigen zeigt sich Möller "zuversichtlich, für das Unternehmen einen Investor zu finden". Auch Rockstädt-Mies bekräftigte, dass es Interessenten gebe, die nicht nur die Marke, sondern auch den Standort Frankfurt übernehmen wollten. Er hoffe nur, dass die Durchsuchungen nicht dazu führten, dass diese sich zurückzögen.
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