„Ich habe von Pückler-Liebhabern haufenweise Briefe mit empörten Reaktionen bekommen“, sagt der Erfinder des neuen Bieres, Günter Eckert. Die Vorsitzende des Vereins „Fürst Pückler in Branitz“, Heidemarie Konzack, schrieb ihm: „Mich hat das blanke Entsetzen gepackt.“ Eckert solle den Vertrieb des Bieres noch einmal überdenken. Bei aller Geschäftstätigkeit sollten die Normen des Anstandes beachtet werden. Nicht minder empört hatte die Vereinschefin schon auf die Inszenierung „Fürst Pücklers Utopia“ am Cottbuser Staatstheater reagiert.
Ende Januar sah sich auch der Branitzer Souvenirhändler Eckert die letzte der neun viel diskutierten Aufführungen des Stücks an. Im Mittelpunkt steht der gealterte Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785 bis 1871), der nun auf sein Leben zurückblickt. Der Landschaftsarchitekt, Weltenbummler und Literat begegnet noch einmal seinen Frauen, Freunden, Feinden und durchlebt erneut seine exotischen Abenteuer. Neben Künstlern des Staatstheaters wirkten auch mehr als 50 Laiendarsteller mit, darunter kleinwüchsige Menschen, Striptease- und Bauchtänzerinnen, Feuerspucker und ein lebendiges Äffchen. Insbesondere die Striptease-Einlagen hatten einige eingefleischte Theaterfans und Pückler-Kenner erbost.
Eckert aber – ein Theaterfreund mit Dauerkarte – gefiel, was er an diesem Abend sah. Von den halbnackten Frauen auf der Bühne inspiriert, kam dem Inhaber einer Geschenkboutique, die nur ein paar hundert Meter von Pücklers Schloss und Park Branitz entfernt liegt, eine Idee. „Ich verkaufe in meinem Laden um die 100 Biersorten. Nun wollte ich ein Bier vermarkten, dessen Flaschenetikett die barbusige Machbuba – eine Geliebte des Fürsten – zeigen sollte“, sagt er. Der Fürst hatte Machbuba in Kairo als 14-Jährige auf einem Sklavenmarkt gekauft und sie mit auf seine Reisen genommen. Später brachte er sie in seinem Schloss in Bad Muskau unter. Dort starb sie gerade mal 17-jährig an Tuberkulose.
Das exotische Mädchen taucht auch in der Theaterinszenierung auf. Mit einem ebenso spärlich bekleideten Abbild ihres schönen Körpers könnte ihm gewiss ein Erfolg ins Haus stehen, dachte sich Eckert. Immerhin seien die freizügigen Theatervorstellungen auch allesamt nahezu ausverkauft gewesen. Tatsächlich verkauft sich das obergärige Frauenbier „Machbuba – Sklavin & Fürst“ mit fünfprozentigem Alkoholanteil gut, wie der Branitzer Geschäftsmann sagt. Er lässt es in einer sächsischen Brauerei herstellen. Das Etikett entwarf der Souvenirhändler selbst. Der Gerstensaft („Bier einer großen Liebe“, wie Eckert es nennt) ist bereits zum zweiten Mal ausverkauft. Die nächste Lieferung soll bald kommen.
So gesehen ist Eckert zufrieden. Den Protest aber könne er nicht nachvollziehen, sagt der 55-Jährige, der selbst Mitglied im Verein „Fürst Pückler in Branitz“ ist. Hermann Graf von Pückler, der Urgroßneffe des Gartenfürsten, habe ihm sogar mit rechtlichen Schritten gedroht, sagt der Souvenirhändler. Bisher sei es allerdings bei einer Drohung geblieben. Der Fürst sei nun mal eine Marke, betont Eckert. Warum sollte man dieses Potenzial nicht auch kommerziell nutzen?
„Bei einer Marke muss der Inhalt stimmen“, entgegnet Gert Streidt, Direktor der Stiftung „Fürst Pückler Park und Schloss Branitz“. Machbuba werde als Sexsklavin dargestellt. Vielmehr sei aber davon auszugehen, dass die beiden eine Romanze verband. Der Fürst sei zwar ein Freund der Frauen gewesen. „Er war aber auch ein großer Künstler und Literat und ist eine historisch bedeutsame Person. Mit einer Marke Pückler hat das Bier nichts zu tun. Hier wird eine Marke mit einem Klischee verwechselt.“
Indes lässt sich vermuten, dass die Kritik an der Vermarktung den Verkauf des Bieres beflügelt. Auch der Cottbuser Theaterintendant Martin Schüler hatte sich an dem Rummel um „Utopia“ alles andere als gestört. Nie zuvor hatte das Theater eine so große öffentliche Resonanz erlebt. An die 100 Zeitungen hätten über das Stück geschrieben, sagte Schülern während einer Publikumsdiskussion. Es hagelte vernichtende Kritiken. Im Endeffekt aber war das Haus neun Mal voll.