In das Humboldt Forum im künftigen Berliner Schloss sollen Ende 2019 auch zwei bedeutende ethnologische Archive mit Tonaufnahmen aus aller Welt einziehen. Eine kostenlose Ausstellung mit Klangobjekten gibt schon jetzt einen Vorgeschmack auf die einzigartigen Sammlungen.
Der flüchtige Klang ist ein eher ungewöhnlicher Gegenstand für eine Ausstellung. Doch die Aufnahmen, die ab heute in der Humboldt-Box zu hören sind, haben teilweise schon 100 Jahre überdauert. Die ältesten sind auf Wachswalzen gespeichert. Die kleinen beigen Rollen, ihre mechanischen Abspielgeräte, aber auch alte Schellackplatten sind nun in der temporären Info-Box gleich neben der Schlossbaustelle zu sehen.
Wer die Aufnahmen hören will, muss sich nur einen Kopfhörer aufsetzen und kann von arabischen Gesängen aus der Zeit um 1900 bis zu den Aufnahmen von Elefanten des Circus Krone spazieren. Klang-Wissenschaftler haben 1925 die Tiere in die Trichter von Phonografen tröten lassen. „Die Ausstellung macht schon jetzt deutlich, dass das Humboldt Forum auch ein Haus der Töne sein wird“, sagt Neil MacGregor, Gründungsintendant des künftigen Schlosses. „In keinem anderen Museum auf der Welt werden Sie so viel Stimmen, Lieder, fremde Sprachen hören können.“
In diese Richtung weist auch eine neue Personalie, die erst am Montag bekannt gegeben wurde. Direktor für die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin im künftigen Berliner Schloss alias Humboldt Forum wird mit Lars-Christian Koch ein Musikethnologe. „Wir wollen Klänge genauso wie materielle Objekte betrachten“, sagt Koch, der zugleich Leiter des internationalen Kuratoren-Teams der neuen Ausstellung ist.
Die Objekte stammen aus dem Berliner Phonogramm-Archiv des Ethnologischen Museums sowie aus dem Lautarchiv der Humboldt-Universität (HU). Die Schau soll schon jetzt das Potenzial beider einzigartigen Sammlungen zeigen, die Ende 2019 in das neue Berliner Schloss alias Humboldt Forum einziehen sollen.
Dort sollen auch die kritischen Aspekte ethnologischer Archive diskutiert werden. „Wie geht man mit Klang als kulturelles Erbe um? Wem gehören die Aufnahmen?“ Da sind zum Beispiel die Ton-Dokumente von tatarischen, baskischen und georgischen Kriegsgefangenen in deutschen Internierungs-Lagern.  Wissenschaftler der „Königlich Preußischen Phonographischen Kommission“ haben sie während des Ersten Weltkriegs aufgenommen, um die Vielzahl der Sprachen und Musikstile zu sammeln.  Dass es ihnen dabei nicht, wie später den Nazis, um Rassenlehre, sondern ums Konservieren ging, bestätigen auch die Co-Kuratoren aus den Herkunftsländern. Gemeinsam mit ihren Berliner Kollegen haben sie auch das Begleitprogramm mit Konzerten, Workshops und Diskussionen zur Ausstellung entwickelt.
„[LAUT] DIE WELT HÖREN“ bis 16. September, Humboldt-Box, Schlossplatz 5, täglich 10 bis 19 Uhr geöffnet, Eintritt frei. Nach Eröffnung heute um 17 Uhr gibt es Hör-Spaziergänge zum Umspannwerk am Alexanderplatz, wo ebenfalls ein Musikprogramm geplant ist.  Infos unter www.humboldtforum.com