Im Pacific-Center in Marzahn werden seit Jahren Textilien verkauft. Die Kunden sind meist Vietnamesen, die auf Wochenmärkten ihre Stände haben. Ab und zu kommen auch Deutsche, die billig Jeans und Blusen einkaufen. Viele stärken sich im direkt angeschlossenen vietnamesischen Restaurant. Dort rückten nun rund 20 Polizeibeamte und Mitarbeiter der Strahlenschutzbehörde ein. Sie fanden in dem Lokal, im angrenzenden Club sowie einer Karaoke-Bar 13 radioaktiv kontaminierte Spielkarten, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.
Bei den sichergestellten Teilen handelt es sich um 20 Millimeter große runde Ausstanzungen aus Spielkarten, die sich nur durch die Farbe des Deckblattes unterscheiden. Durch einen am Körper getragenen Detektor hätten Betrüger die kontaminierten Karten der Mitspieler erkennen und sich auf diese Weise einen Vorteil beim illegalen Glücksspiel verschaffen können, heißt es weiter. "Im Focus der Ermittlungen steht eine vietnamesischen Restaurantbesitzerin, in deren Lokal mit den kontaminierten Karten gespielt worden sein soll", erklärte Polizeisprecherin Konstanze Dassler.
Auf die Spur der gezinkten Karten brachte die Ermittler eine Routinekontrolle in einer Abfallbehandlungsanlage in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland). Dort wurde schon im November 2016 eine erhöhte radioaktive Belastung in einem Müllfahrzeug gemessen. Auslöser waren ausgestanzte Teile von Spielkarten, die mit Jod 125 belastet waren, einem radioaktiven Stoff, der in der Medizin eingesetzt wird.
"Es war ein großes Fahrzeug, das den Müll mehrerer Restaurants nach Rüdersdorf fährt. So war es schwierig, die Herkunft der Teile zu ermitteln", erklärt die Polizeisprecherin, warum die Ermittlungen sich fast eine Jahr hinzogen.Nachforschungen zum Tourenplan, die Untersuchungen des Abfalls und weitere Hinweise führten schließlich zu der 41-jährigen Restaurantbesitzerin nach Marzahn.
Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun wegen des Verdachts der Freisetzung ionisierender Strahlen. Die direkt an den Kartenteilen gemessene Radioaktivität überschreitet um ein Achtfaches die Richtwerte. Allerdings nimmt die Strahlung schon nach wenigen Zentimetern wieder ab. Gefahr drohe nach jetzigen Erkenntnissen nur dem, der die kontaminierten Karten direkt ohne Schutzkleidung berührt.
Das Amt für Strahlenschutz ließ die Räume in dem Asiamarkt bis zur professionellen Reinigung durch eine Fachfirma versiegeln. Auch eine Außentreppe des Einkaufszentrums sei vorsichtshalber für die Öffentlichkeit gesperrt worden, hieß es am Dienstag von der Polizei. "Auch die Beamten wurden nach dem Einsatz überprüft, es kam zu keiner Kontamination", berichtet Dassler.
Für sie und ihre Kollegen ist die Betrugsmasche völlig neu. "Uns waren bisher keine derartigen Fälle bekannt", so die Sprecherin. Die Untersuchungen dauern noch an. Geprüft werden müsste, ob noch weitere verseuchte Kartenspiele im Umlauf sind und ob Gäste des Restaurants einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt waren.