"Die Entwicklung an den Pilotschulen macht Mut", sagte Bildungsministerin Münch am Freitag in Potsdam. Zwar gebe es noch keine abschließende Leistungsbewertung, aber eine erste Untersuchung der Universität Potsdam zeige, dass alle Kinder beim inklusiven Lernen Fortschritte machen und sich die Aufmerksamkeit der Lehrer nicht nur auf die Schüler mit besonderem Förderbedarf richtet.
Nadine Spörer, Professorin an der Universität Potsdam, präsentierte auf einer Tagung mit 220 Schulleitern, Inklusionsberatern und Schulträgern, eine erste Untersuchung in zweiten und dritten Klassen der Pilotschulen. Der zufolge stieg innerhalb eines halben Jahres das Wissen in Deutsch und Mathematik sowohl bei leistungsstarken, mittleren als auch bei schwächeren Schülern an. Allerdings gab es keine Vergleichszahlen zu den Lernerfolgen in Schulen, die nicht auf Inklusion setzen.
Bei Unterrichtsbeobachtungen wurde außerdem festgestellt, dass immer dann, wenn zwei Lehrer gleichzeitig unterrichten, alle Schüler vom Hauptlehrer die gleiche Aufmerksamkeit erhalten. Der zweite Lehrer, beispielsweise ein Sonderpädagoge, kümmert sich fast ausschließlich um Inklusionsschüler und schwächere Schüler.
Eine Befragung der Lehrer ergab, dass 12 Prozent von ihnen nie Unterstützung im Unterricht durch Sonderpädagogen, andere Fachlehrer oder sonstige pädagogische Helfer erhalten. Insgesamt wurden für das Pilotprojekt 120 Lehrer für die Unterstützung im Unterricht zusätzlich eingestellt. Die meisten Lehrer gaben an, dass es keine Probleme beim Unterricht mit einem weiteren Pädagogen gibt. Beide würden an einem Strang ziehen, so die überwiegende Mehrheit. Trotz umfangreicher Weiterbildungsangebote schätzte ein Viertel bis ein Drittel der Lehrer an den Pilotschulen ein, dass sie nicht über die ausreichende Kompetenz für den inklusiven Unterricht verfügen.
Eine Bewertung der Schulkonzepte durch das Pädagogische Landesinstitut (LISUM) ergab, dass von 75 befragten Schulen, 38 kein entsprechend formuliertes Schulziel oder Schulprogramm besitzen. Einige Schulen, so hieß es am Rande der Veranstaltungen, hätten das Pilotprojekt genutzt, um so ihren Fortbestand zu sichern.
Seitens des Städte- und Gemeindebundes wurde auf der Tagung kritisiert, dass nach wie vor die Rahmenbedingungen für bauliche Anpassungen nicht geklärt seien. Die Schulträger, in erster Linie die Kommunen, würden mit diesem Problem allein gelassen.
Ungeklärt ist außerdem die Frage, wie mit der Inklusion im Hort umgegangen werden soll. Während diese Frage bei Ganztagsschulen oder den herkömmlichen Förderschulen geklärt ist, gibt es eine Reihe von Schulen, die keine Extrabetreuung beispielsweise für verhaltensauffällige Kinder stellen können.
Da die Bundessozialgesetzgebung hier noch nicht entsprechend geändert ist, müssten Eltern theoretisch für zusätzliches Personal selbst zahlen. Zur Zeit wird geprüft, in wieweit diese Pilotschulen in Ganztagsschulen umgewandelt werden können. Dann müsste das Land zusätzliches Personal zur Verfügung stellen.
Unklar ist ebenfalls, wie die Leistungen von Kindern mit Förderbedarf zensiert werden sollen. Das ist eine der Fragen die auf Fachtagungen in den vier Landesteilen im Herbst erörtert werden sollen.