In der Niederlausitz gab es Wedding-Planer schon im 19. Jahrhundert. "Póbratš" nennt man sie auf Sorbisch. Sie handelten die Mitgift mit dem Brautvater aus und geleiteten zur Kirche. Auch heute wünscht sich ab und zu ein Brautpaar im Freilandmuseum Lehde noch einen solchen Hochzeitsbitter. Dann organisiert das Museum jemanden aus dem Ort, der in den schwarzen Anzug mit der bunten Schärpe schlüpft und die Hochzeitsgesellschaft mit Brotkrumen und einer Schale Salz empfängt, als Symbol für eine unverwüstliche Verbindung. Während der Zeremonie ist er Ansprechpartner für alle Fragen. Traditionell brachte er die frisch vermählten Eheleute sogar ins Bett. "Das hat aber bislang noch niemand von uns verlangt", gibt Jenny Linke zu, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit im Museum kümmert, und muss lachen.
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Das Freilandmuseum, das 1957 eröffnet wurde, befindet sich mitten im Spreewald, im kleinen Örtchen Lehde, ein paar Kilometer hinter Lübbenau. Die Besucher können hier nachempfinden, wie sorbische Bauern in den letzten drei Jahrhunderten lebten. Interaktivität wird großgeschrieben: Die Touristen dürfen historische Wäschemangeln bedienen, mit Holz-Pantinen laufen oder eine Kuh-Attrappe im Stall melken. Insgesamt befinden sich vier Hofanlagen aus verschiedenen Epochen auf dem Museumsgelände. Im größten Gehöft kann seit 2010 geheiratet werden - im sogenannten "Altenteil".
Gemeint ist damit ein reetgedecktes Bauernhäuschen von 1820. "Hier hat die ältere Generation ihren Lebensabend verbracht, wenn der Hof an die neuen Eigentümer übergeben wurde", erklärt Linke. Hinter den Fachwerkmauern ist es gemütlich, schon aufgrund der Deckenhöhe von 1,80 Meter. In einer Ecke der Stube steht ein originaler Näpfchenkachelofen, die Wände schmücken sorbisches Porzellan. Der kleine Raum bietet geradeso Platz für eine Standesbeamtin, das Brautpaar und 25 Gäste. "Unsere Trauungen haben eine sehr intime Atmosphäre", ist Jenny Linke überzeugt.
Das liegt nicht nur an den engen Dimensionen des Trauzimmers, sondern an den zahlreichen Details: Über der Eingangstür hängt eine persönliche Kreidetafel mit den Namen des Brautpaares. Dazu tragen die Museumsmitarbeiterinnen am Tag der Trauung sorbische Hochzeitstrachten. Geschmückt wird der Hof mit Blumen aus dem eigenen Bauerngarten, dessen Angebot von bunten Zinnien über blaue Hortensien bis zu purpurnem Amarant aus Südamerika reicht. "Eine unserer Mitarbeiterinnen war früher Floristin und steckt wunderschöne Sträuße für die Hochzeitspaare zusammen", erklärt die Museumssprecherin.
Nach der Trauung nehmen viele Hochzeitsgesellschaften an einer speziellen Führung über die ehelichen Bräuche der Sorben teil. Anschließend kann die Kulturscheune mit eigenem Gartenbereich für einen Sektempfang oder eine Kaffeerunde gemietet werden. "Dort haben die Paare ihre Ruhe, trotz des regulären Museumsbetriebs", so Linke. Die Nachfrage nach Hochzeiten im Freilandmuseum ist hoch: Dieses Jahr fanden zwischen Ostern und bis Ende Oktober 35 Eheschließungen in Lehde statt.
Dies hat natürlich auch mit der idyllischen Lage des Spreewald-Dorfes zu tun: Das Museum befindet sich auf einer Insel, umgeben nur von Fließen der Spree. Bis heute werden sämtliche Waren über den Wasserweg angeliefert - auch die Brautpaare. "Viele unserer Hochzeitsgesellschaften reisen mit geschmückten Spreewald-Kähnen an", sagt Linke. Ab und zu kämen die baldigen Eheleute sogar mit dem Kajak. "Die lassen dann in der Regel aber das Brautkleid zu Hause."
Lage:Das 150-Seelen-Örtchen Lehde liegt vier Kilometer westlich von Lübbenau. Vom Großen Hafen dort dauert die Fahrt bis zum Freilandmuseum mit dem Spreewaldkahn rund eine Stunde. Das Dorf ist aber auch zu Fuß und mit dem Auto gut zu erreichen.
Kapazität:Im Trauzimmer finden maximal 25 Gäste Platz.
Übernachtung:In Lehde finden Hochzeitsgesellschaften in unmittelbarer Umgebung zahlreiche Ferienhäuser, Pensionen und Hotels.
Trauungsorte:Die Zweigstelle des Standesamtes befindet sich in einem reetgedeckten Bauernhaus von 1820.
Preise:Das Hochzeitspaket - inklusive Trauung und Museumsführung - kostet 214 Euro für zwei bis 25 Personen. Dazu kommt bei Bedarf die Miete für die Kulturscheune.
Besonderheit: Das Freilandmuseum befindet sich komplett auf einer Insel, umgeben von Nebenarmen der Spree. Zugang gibt es für Fußgänger nur über Brücken oder durch eine Fahrt mit einem Spreewaldkahn. (iwa)