Mario Schmidt arbeitet hauptberuflich als Moderator und Vortragsredner. Für große Unternehmens-Kongresse wird er genauso gebucht wie für internationale Tagungen. Einen gewissen Namen zu haben, ist da von Vorteil. Zumindest im Umkreis der peruanischen Hauptstadt Lima ist Mario Schmidt aber im Moment viel bekannter als ihm lieb ist. Wie er erst jetzt herausfand, haben Kriminelle bereits vor zwei Jahren seine Identität gestohlen und nutzen sie seitdem für Betrugskampagnen.
Dabei werben sie um Investitionen für eine Kryptowährung. Im konkreten Fall handelt es sich um ein Schneeball-System mit riesigen Verlusten. Seit einigen Wochen bedrohen Geschädigte nun Schmidt als einen der vermeintlichen Köpfe des dubiosen Geschäftsmodells. "Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich das Gefühl, dass mir ständig jemand über die Schulter schaut", sagt der Strausberger. "Was gerade passiert, bedrückt mich nicht nur, es macht mir Angst."

622 000 US-Dollar Schaden

Die Betrüger nutzen, dass Schmidt mit verschiedenen Bildern im Netz präsent ist. Nach Hinweisen aus Peru erfährt er, dass er in der Betrugskampagne als schwedischer Unternehmer William Hikkinen auftaucht. "Ich habe Seiten mit diesem Namen und meinen Fotos dann bei allen großen sozialen Netzwerken wie Twitter, Instagram und Facebook gefunden", zählt er auf. "Ich fand das ungeheuerlich." Über seine Kontakte nach Peru kommt heraus, dass die Opfer bereits um die 622 000 US-Dollar verloren haben könnten. "Und viele von den Geschädigten sind offenbar auf der Suche nach mir, weil sie sich betrogen fühlen." Sogar ein Video verfremden die Kriminellen. Über eine Skype-Konferenz lassen sie Mario Schmidt im Januar eine Art Bewerbung für eine Konferenz-Moderation sprechen. Ein Köder, wie sich im Nachhinein herausstellt.
Auf Anfragen reagieren die Hintermänner heute nicht mehr. Aber über die Bilder von Schmidt legen sie eine falsche Stimme in englischer Sprache und verwenden es in Internet-Konferenzen mit potenziellen Interessenten. "Im Video ist zu sehen, wie ich die Kryptowährung anpreise und erzähle, dass damit viel Geld zu verdienen sei."
Das mulmige Gefühl hat auch seine Angehörigen erfasst. Wie Vergleiche zwischen Originalbildern des Moderators mit Fälschungen zeigen, arbeiten die Betrüger professionell. Entsprechend groß ist der Zorn der geprellten Investoren. "Ich habe mich inzwischen auch gefragt, wie ernst das für uns in Deutschland ist", sagt Schmidts Sohn Christian. "Wie sehr sind wir hier als Familie bedroht?"

Anfragen geschädigter Peruaner häufen sich

Die Anfragen von Peruanern häufen sich inzwischen. Die Geschädigten suchen über Gesichtserkennung im Netz nach einer Adresse von William Hikkinen und stoßen darüber auf Mario Schmidt. Der hat sich inzwischen an die Polizei gewandt. Die Bearbeiter hätten ihm aber zunächst lediglich die Empfehlung gegeben, auf absehbare Zeit nicht nach Südamerika zu reisen, sagt er. "Die Polizei wollte alle Unterlagen von mir haben und sich dann mit mir wieder in Verbindung setzen." Passiert sei aber nichts: "Offenbar warten sie darauf, dass ein Peruaner bei mir erst zu Hause vorbeikommt und fragt, wo sein Geld ist."
Schmidt arbeitet nun selbst daran, dass seine gestohlene Identität von den Servern verschwindet. Die Betreiber verschiedener Internetseiten hat er dazu angeschrieben. Und er will seine Geschichte als Warnung verstanden wissen, wie mit persönlichen Daten im Internet Schindluder getrieben werden kann.