Britta Ernst betonte, dass sie insbesondere jene Fälle umtreiben, in denen Kinder zu Schaden kommen, die bereits im Hilfesystem sind. "Deshalb müssen wir schauen, ob aus diesem Fall Schlussfolgerungen zu ziehen sind." Helfer würden seit vielen Jahren versuchen, das Schutz-Netz für Kinder immer enger zu knüpfen. "Dennoch müssen wir immer wieder fragen, ob es Lücken gibt, die wir übersehen haben."
Das Jugendamt des Kreises Barnim hatte das fünf Jahre alte Mädchen im vergangenen Dezember in Obhut genommen. Das Kind war laut einem Krankenhausbericht unterernährt, verhaltensauffällig und sprachgestört. Das Ministerium sah mögliche Versäumnisse beim Jugendamt und leitete eine Überprüfung ein.
Es habe sich ein Anfangsverdacht ergeben, dass Mitarbeiter "möglicherweise wichtige Schritte" zur Sicherung des Kindeswohls unterlassen hätten, hatte das Ministerium erklärt. Geprüft werden sollte, ob das Jugendamt die insgesamt drei Kinder der Familie in Augenschein genommen habe, ob das Familiengericht angerufen worden sei, weil die Eltern beim Einschätzen der Gefährdung nicht mitgewirkt hätten, und ob Maßnahmen zum Schutz der Kinder eingeleitet wurden.
Die beiden Geschwister kamen dem Landkreis zufolge zeitgleich mit dem fünfjährigen Mädchen in Obhut, bei ihnen gab es demnach aber keine Hinweise auf eine Vernachlässigung wie bei ihrer Schwester. Zuletzt war bekannt geworden, dass das Amtsgericht Eberswalde das Jugendamt zum Pfleger für das Kind bestellt hat.
Bericht an den Landrat
Zum Stand der Aufklärungsarbeit in dem Fall wollte die Ministerin am Donnerstag im Bildungsausschuss nur wenig sagen. Dem Mädchen gehe es "den Umständen entsprechend". Der Barnimer Landrat habe von Anfang energisch gehandelt und das Ministerium bei der Akteneinsicht unterstützt, lobte Britta Ernst. "Wir sind jetzt dabei, die Fallakte auszuwerten." Weil die Bewertung noch nicht abgeschlossen ist, könne man derzeit keine Aussagen machen. Zudem würden strenge Datenschutzregeln zum Wohle der Kinder und der gesamten Familie gelten.
Als Ergebnis der eigenen Aufklärungsarbeit werde man dem Landrat einen Bericht zukommen lassen, sagte Ernst. Dieser werde jedoch ebenfalls sensible Daten enthalten, sodass man dem Bildungsausschuss nur einen gekürzten Bericht vorlegen werde, sagte sie auf die Nachfrage von Abgeordneten.

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