Deutschland hat zu viele Krankenhäuser, vor allem kleine, ineffektive Häuser in Ballungsgebieten, sagt Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Auf dem jährlichen Ersatzkassenforum am Montag in Berlin wurde Gerlach deutlich: Berlin mit seinen 60 Kliniken und 40 Notaufnahmen muss dringend über Schließungen reden. Ohnehin gibt der Stadtstaat im Verhältnis weniger Geld für Krankenhausinvestitionen aus als Brandenburg.
Die Korrekturen könnten schon im Zusammenhang mit der ersten gemeinsamen Krankenhausplanung erfolgen, die Berlin und Brandenburg ab dem kommenden Jahr vorbereiten. Wenn es nach Gerlach geht, sollten in Berlin nur die Notfallaufnahmen bleiben, die rund um die Uhr neben Chirurgen auch Kinderärzte, Hautärzte und Psychiater vorhalten können.
Für Brandenburg gelten andere Maßstäbe. Das machte Thomas Barta, Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium klar. Das Flächenland will seine 53 Kliniken an 62 Standorten erhalten. Es geht nicht zuletzt um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Barta berichtete von Dänemark, das ein effektives Krankenhaussystem aufgebaut hat, allerdings mit Strecken von 100 Kilometern bis zum nächsten Krankenhaus. „Das kann man machen, aber man braucht auch eine Bevölkerung, die das mitmacht“, sagte er.
Größtes Problem für viele Kliniken sind die überfüllten Notaufnahmen. Die Zahl der Patienten, die direkt die Rettungsstellen ansteuern, gehen deutschlandweit drastisch nach oben. Die Hälfte davon weiß, dass sie da nicht hingehört, hieß es von Ärzten in der Diskussion. Den Menschen fehle einfach die Gesundheitskomeptenz. Laut Gerlach haben in diesem Sommer in manchen Regionen ganze Scharen die Arztpraxen und Notaufnahmen gestürmt, um sich Zecken entfernen zu lassen. Dazu müsse man nicht zum Arzt, wurde mehrfach betont.
Brandenburg geht auch bei der Entlastung der Notaufnahmen einen eigenen Weg. In sieben Kliniken wurden Bereitschaftsärzte angesiedelt. Die niedergelassenen Mediziner warten nicht zu Hause auf Anrufe, die ohnehin immer seltener eingehen, sondern empfangen die Notfälle in der Notaufnahme und sortieren quasi vor, wer wirklich sofort in den OP muss. Insgesamt soll das System auf 20 Notaufnahmen ausgedehnt werden.
Gerlach hat viel weitergehende Vorschläge. Er wünscht sich nach dem Vorbild der Schweiz Notrufzentralen, bei denen Mediziner die Anrufe entgegennehmen und entweder gleich Rettungssanitäter losschicken oder Termine bei niedergelassenen Ärzten und selbst in Rettungsstellen vergeben. Die Patienten müssten lernen, dass sie erst den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 anrufen sollen statt immer gleich die 112.