"Die Partei schickt sich an, eines ihrer zentralen Versprechen zu brechen", kritisiert Elternsprecher Danilo Fischbach. Die Sozialdemokraten hatten vor der Wahl am 1. September auf Großplakaten mit dem Slogan "Kostenfreie Kitas" um Stimmen geworben. In den Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, CDU und Grünen zeichnet sich nun ab, dass eventuelle Entlastungen für Eltern unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Wenn Geld vorhanden sei, werde erst im Jahre 2022 ein weiteres Kita-Jahr beitragsfrei gestellt, und ab 2024 möglicherweise noch eins. So haben es die Verhandlungsführer jüngst kommuniziert.
Für die Krippe müssten Eltern also auch noch in den Jahren ab 2025 zahlen. "Wenn es in Brandenburg mit der Entlastung im jetzigen Tempo weitergeht, besuchen erst die Enkel der jetzigen Kita-Eltern beitragsfreie Kitas und Schulhorte", kritisiert Elternsprecher Fischbach. Die SPD missbrauche das Vertrauen der Wähler, wenn sie mit dem Thema Beitragsfreiheit in den Wahlkampf ziehe und dann nicht liefere. Ein solches Agieren spiele Populisten in die Hände, warnte Fischbach. Die SPD sei lange genug in der Regierung, um die Haushaltslage zu kennen und die Kosten von Wahlversprechen vorher ausrechnen zu können. SPD-Generalsekretär Erik Stohn wies den Vorwurf der Wählertäuschung zurück: "Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Es kann also noch niemand bewerten, was verabredet wurde." Ende Oktober würden die Koalitionspartner ihre Ergebnisse präsentieren.
Danilo Fischbach vermutet, dass frühkindliche Bildung auf der Prioritätenliste von "Kenia" nach hinten gerutscht ist. In dem Zusammenhang erinnert er an einen Parteitagsbeschluss der märkischen Grünen, in dem sie sich einstimmig für beitragsfreie Kitas ab 2020 ausgesprochen hatten. "Davon will die Partei nun offenbar nichts mehr wissen", bedauert Fischbach.