Wenn das mit dem Informationsfluss endlich geklärt wäre! Etliche Stoßseufzer in der Gesprächsrunde bei der Caritas drehten sich um dieses Thema. Wie informiert man die Menschen in Bad Saarow darüber, was bei den Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft gerade so los ist? Welche Art von Unterstützung wird gebraucht? Wann sind die nächsten Veranstaltungen im Ort, zu denen man wiederum über welche Kanäle die Flüchtlinge einladen könnte?
Keine komplizierten Fragen, die dennoch auch im Rahmen des am Scharmützelsee seit Mai 2017 laufenden Projekts „Gemeinschaftsunterkunft trifft Gemeinde“ bislang nicht zur Zufriedenheit gelöst werden konnten, wie am Donnerstag mehrere Akteure konstatierten. Denn manche Bürger erreicht man über Online-Kanäle, andere über die Zeitung und wieder andere am besten über Handzettel im Briefkasten. Das macht viel Arbeit, kostet Zeit, die niemand so richtig hat.
Und so kommen trotz eines gut gemachten Newsletters manche Infos nicht an, zum Beispiel dass die von Marianne Hesse ehrenamtlich geführte Kleiderkammer gerade unter anderem Bedarf an Männersachen in der Größe 54 hat. Dennoch sei das Projekt „GU trifft Gemeinde“ Gold wert, sind sich bei der Bestandsaufnahme alle einig. Denn mit finanzieller Unterstützung von Bund und Land gibt es nun eine Art Schaltstelle zwischen Flüchtlingsunterkunft und Bürgerschaft.
Die Idee dafür hatte der Projektleiter Wolfgang Bautz schon 2014. Nach Wusterhausen/Dosse, Stahnsdorf und Bernau ist Bad Saarow der vierte Ort, an dem sie mit Leben erfüllt wird. „Es geht um demokratische Kultur, um die Verankerung der Gemeinschaftsunterkünfte in der Nachbarschaft“, sagt Bautz. Unwissenheit könne Vorbehalte wachsen lassen, das wolle man verhindern.
Im Rahmen des Projekts sollen also modellhaft Methoden und Instrumente für ein gutes Miteinander entwickelt werden. Sowohl die Unterkünfte wie auch die Kommunen sind personell in keiner Weise so ausgestattet, dass solche Initiativen von ihnen ausgehen könnten. Das macht nun stattdessen im Rahmen des Projekts Mai Micklisch.
Sie hat zum Beispiel vor einem Jahr das Ehepaar Anders angesprochen, ob es nicht Lust habe zu helfen. Christel und Wolfgang Anders waren dankbar für die Anfrage. Beide gerade Rentner geworden, hatten „Freiräume“, wie sie erzählen. Also fingen sie an, Flüchtlingskindern beim Deutschlernen zu helfen. „Sie waren sechs bis neun Jahre alt und konnten in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft noch nicht in die Schule. Das tat uns leid“, sagt Wolfgang Anders.
Inzwischen hat sich das Ehepaar eine andere Aufgabe gesucht. Es hilft Sara und Omid Efanian aus dem Iran beim Ankommen in Deutschland, zum Beispiel beim Verfassen von Bewerbungen. Der gelernte Koch sucht einen Job. Obwohl der Iraner nach knapp einem Jahr gute Fortschritte mit der deutschen Sprache macht, reicht sein Niveau bislang noch nicht für eine Anstellung. „Ohne deutsche Freunde wäre alles noch viel schwieriger“, sagt Omid Efanian.
Auch die pensionierte Lehrerin Marianne Hesse hat eine Art Schützling. Mahmut Abbas, 49 Jahre alter Familienvater aus Syrien, tut sich ebenfalls schwer mit der deutschen Sprache, will aber unbedingt etwas tun. Marianne Hesse wusste von einer Firma, die jemand für die Gartenarbeit sucht, nun hat Mahmut Abbas einen Job.
Ende 2019 läuft das Projekt in Bad Saarow aus, weil die Mittel beschränkt sind. Die Frage ist, ob die jetzt entstehenden Kontakte danach weiter funktionieren. Sascha Kiffer, der Leiter der Flüchtlingsunterkunft, ist zuversichtlich: „Der Anschub war und ist gut. Wir haben jetzt Strukturen, die wir auch künftig nutzen können.“