Nach der Besetzung von Gleis- und Förderanlagen auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde durch Kohlekritiker sind drei von vier betroffenen Blöcken wieder am Netz und produzieren Strom. Ein Kohleförderband zur Versorgung der Blöcke laufe wieder, nachdem die Polizei Aktivisten von einer Anlage heruntergeholt habe, sagte der Sprecher des Energieunternehmens Leag, Thoralf Schirmer. Zuvor waren zwei Blöcke komplett vom Netz genommen worden. Damit war nach Angaben des Energieunternehmens die Hälfte des Kraftwerks nicht im Betrieb – das bedeutete eine Reduzierung um ein Gigawatt.
„Wir können inzwischen die Kraftwerksblöcke wieder ver- und entsorgen“, sagte Leag-Sprecher Thoralf Schirmer. Obwohl am Nachmittag noch immer Gleisblockaden bestanden hätten, sei die Umfahrung der Blockierer auf Ausweichgleisen möglich.
Mitglieder einer nach eigenen Angaben „Aktionsgruppe Unfreiwillige Feuerwehr“ waren am frühen Montagmorgen (19. September) auf das Gelände des Kraftwerks Jänschwalde eingedrungen. Dort hatten sie den Grabenbunker, in dem sich die Kohle befindet, besetzt und damit die weitere Kohlezufuhr blockiert, wie Leag-Sprecher Thoralf Schirmer auf Nachfrage von LR.de bestätigt. Auch hatten sie sich an Kohlegleise und Förderbänder gekettet.
Nach Polizeiangaben waren von der Protestaktion auch Anlagen in der Region um Heinersbrück und Bärenbrück betroffen. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass sich an der Aktion insgesamt 30 Protestierer beteiligten.

Polizeieinsatz am Kraftwerk Jänschwalde

Die Mitarbeiter im Kraftwerk sind sauer. Eine Mitarbeiterin bezeichnete die Aktion der Kohlegegner als „unglaublich und sinnlos“.
Nach einem Einsatz von Spezialisten der Polizei konnten Förderanlagen zur Beschickung der Kraftwerksblöcke nach Angaben der Leag wieder in Gang gesetzt werden.
Nach eigenen Angaben wollen die Blockierer mit ihrer Aktion gegen den Betrieb des Tagebaus Jänschwalde und die Folgen der Braunkohle-Verstromung im Kraftwerk Jänschwalde protestieren.
Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) hat die Blockade von Braunkohlegegnern auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde als Sabotageakt verurteilt und empfindliche Strafen gefordert. „Wer für seine Weltanschauung absichtlich andere in Gefahr bringt, ist kein Aktivist, sondern ein Verbrecher“, sagte Stübgen. Darauf müsse der Rechtsstaat mit empfindlichen Strafen reagieren. Friedlicher Protest gehörten zur Demokratie. Michael Stübgen: „Den Klima-Extremisten muss jedoch das Handwerk gelegt werden.“
Im Kraftwerk werden gerade zusätzlich zu den vier aktiv laufenden Kraftwerksblöcken zwei Reserveblöcke reaktiviert. Wenn die Blöcke eine Ausnahmegenehmigung vom Landesumweltamt erhalten, sollen sie ab Oktober eingesetzt werden, um Strom aus Gaskraftwerken zu sparen und das deutsche Stromnetz zu stabilisieren.

Erste Protestierer in Polizeigewahrsam

Das Lausitzer Energieunternehmen Leag spricht von einem Angriff auf die Versorgungssicherheit.
Die Polizeidirektion Süd war nach Angaben eines Sprechers mit mehreren Einsatzzügen vor Ort. Hinzugezogen worden seien auch Kräfte der Polizeibereitschaft.
„Unsere Spezialisten konnten die Protestierer, die sich an Förderbändern und Gleisanlagen festgekettet hatten, von den Anlagen lösen“, sagte ein Polizeisprecher. Sie seien zunächst in Polizeigewahrsam genommen worden. „Klar ist, es handelt sich um eine Straftat“, betonte der Polizeisprecher. Ermittelt werde wegen Störung öffentlicher Betriebe und Hausfriedensbruch. Ein Protest dürfe nicht auf Kosten der Energieversorgung durchgeführt werden.