Nach dem am frühen Montagmorgen, 19. September, an die 30 Kohlekritiker Anlagen des Kraftwerks Jänschwalde und Gleise zu seiner Ver- und Entsorgung mehr als zehn Stunden blockiert hatten, dauern die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft an.
Bis zum Dienstagabend hatte die Polizei noch insgesamt 18 Personen, die an den Aktionen beteiligt waren, festgehalten. Weil sie alle Angaben zu ihrer Identität verweigerten, wurde gegen sie von der Staatsanwaltschaft Cottbus Haftantrag gestellt und sie am Dienstagabend beim Amtsgericht Cottbus einem Haftrichter vorgeführt.

U-Haft für vier Blockierer des Kraftwerks angeordnet

Da bis dahin keine der Personen, die bis dahin noch immer im Polizeigewahrsam waren, bereit war, ihren Namen und eine ladungsfähige Anschrift preiszugeben und ihre Identitäten offenbar auch anderweitig nicht geklärt werden konnten, sahen die Staatsanwälte den Haftgrund der Fluchtgefahr als gegeben an. Den Beteiligten an der Aktion im Kraftwerk Jänschwalde werden Hausfriedensbruch und Störung öffentlicher Betriebe vorgeworfen.
Das Amtsgericht Cottbus teilte am Mittwoch, 21. September, mit, dass alle 18 Festgehaltenen von einem Haftrichter angehört worden seien. Dabei hätten die meisten der mutmaßlich an der Kraftwerksblockade Beteiligten die notwendigen Angaben zu ihrer Person gemacht, sodass in diesen Fällen die Haftanträge der Staatsanwaltschaft zurückgenommen worden seien. Einige Haftbefehle wurden auch wieder aufgehoben, nachdem sich die Kohlekritiker der Haftrichter-Entscheidung schließlich doch noch identifiziert hatten. In insgesamt 14 Fällen, in denen die Identität auf diese Weise geklärt werden konnte, wurden die Betroffenen freigelassen.
In den übrigen vier Fällen, drei Frauen und ein Mann, bei denen die Identitäten offenbar nicht eindeutig geklärt werden konnte, hat das Amtsgericht eine Untersuchungshaft angeordnet. Dabei allerdings eingeschränkt, dass die U-Haft in diesen Fällen nicht länger als zwei Monate dauern darf. Die vier Kohlekritiker wurden inzwischen in die zuständigen Justizvollzugsanstalten gebracht.

Allen Beteiligten droht eine Anklage

Auch für die aus dem Polizeigewahrsam entlassenen Kohlegegner ist „der Fall“ aber keineswegs abgeschlossen. Nach Abschluss der Ermittlungen dürfte alle der Beteiligten eine Anklage wegen der Straftaten und ein gerichtliches Verfahren erwarten.
Auch das Lausitzer Energieunternehmen Leag hatte als Betreiber des Kraftwerks Jänschwalde gegen die Blockierer ihrer Infrastruktur in und um Jänschwalde Strafanträge gestellt. Wegen der unterbrochenen Kohlezufuhr mussten zwei von vier Kraftwerksblöcken mit einer Leistung von je 500 Megawatt abgefahren und von Netz genommen werden. Auch an den weiteren Blöcken hatte nach Leag-Angaben die Leistung reduziert werden müssen. Mehr als ein Gigawatt gesicherter Leistung habe daher für mehrere Stunden nicht zur Versorgung zur Verfügung gestanden.