Allerdings laufen mit Blick auf das Volksbegehren gegen die Reform bereits Werbespots zu der Kampagne der Regierung bei mehreren privaten Radiosendern. Einer davon geht ungefähr so: Ein Telefon klingelt und klingelt, niemand geht ran. Schließlich erklärt eine Stimme, dass Brandenburg die Kreisreform brauche, wenn auch künftig in den Verwaltungen jemand für die Bürger erreichbar sein solle.
Schröter erklärte dazu, man "informiere" über die Reform. Von Werbung hingegen wollte er in dem Zusammenhang gar nicht sprechen. Von der Opposition kam harsche Kritik. Schröter verbrenne mit solch wirren Spots Steuergeld, ärgerte sich Sven Petke (CDU). Außerdem fragte er den Minister eher rhetorisch, wie der zu der Annahme komme, dass ohne Kreisfusionen künftig niemand mehr ans Telefon gehe und woher er wisse, ob in 20 Jahren überhaupt noch jemand telefoniert oder stattdessen womöglich auf andere Art mit dem Amt kommuniziert wird.
Schröter erklärte, dass das Geld für die Werbung aus dem Haushalt seines Ministeriums komme, wohl aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Auf die Nachfrage des CDU-Abgeordneten Steeven Bretz, dass der Etat für diesen Bereich aber nur bei 55 000 Euro liege, verwies Schröter darauf, dass innerhalb der Ressorts auch umgeschichtet werden könne.
Der Verein "Mehr Demokratie" sieht es kritisch, dass die Regierung mit Steuergeld wirbt. Vor allem aber sei damit die Chancengleichheit verletzt. Während die Landesregierung so für ihre Position zum Volksbegehren werben könne, hätten die Initiatoren keinerlei Anspruch auf öffentliche Mittel, kritisierte der Landessprecher des Vereins, Oliver Wiedmann. "Wir wollen keine Voll-Finanzierung der Initiative gegen die Kreisreform", unterstrich er. Ähnlich wie in manchen anderen Bundesländern wäre aber auch in Brandenburg bei Volksbegehren eine Teilkostenerstattung von 25 Cent pro gültiger Unterschrift und in Volksentscheiden von 25 Cent pro Ja-Stimme angemessen, sagte Wiedmann.
Zur von Schröter investierten Summe sagte er: "Für das Ministerium mögen 190 000 Euro nicht viel Geld sein. Dem Volksbegehren würde dieser Betrag sehr helfen." (Mit Adleraugen)