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Außerdem wurde die Fotografin Anne Heinlein von Kulturministerin Martina Münch (SPD) mit dem Nachwuchsförderpreis ausgezeichnet. Im Anschluss an die Veranstaltung eröffnete die Kunstpreisausstellung, die bis zum 28. August in Neuhardenberg zu sehen ist.
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Einer der berührendsten Momente steht am Anfang. Als die Bildhauerin Emerita Pansowová, die in diesem Jahr die Kunstpreis-Skulptur „die Sinnende“ geschaffen hat, davon spricht, dass sie ihre Plastik als „botschaftlichen Gruß“ an die Preisträger verstanden wissen möchte, als Gruß von einer anderen Künstlerin, „die ihnen Gutes wünscht und sich mitfreut an der Auszeichnung“, ist ein Seufzen im Saal zu hören. So liebevoll, wie Emerita Pansowová über ihre Kollegen gesprochen hat, so liebevoll möchte man die Welt. Und man erhascht ein Stück dieser Utopie an einem Sommersonntag in Neuhardenberg.
Dabei wird die Realität nicht ausgeblendet: Heike Kramer, Generalbevollmächtigte der Stiftung Neuhardenberg, die in Kooperation mit der Märkischen Oderzeitung den Kunstpreis verleiht, weist in ihrer Begrüßung darauf hin, dass die eingereichten Werke in diesem Jahr „düsterer und ernsthafter“ wirkten. Sie seien „stumme und sehr beredte Zeugen unserer nicht immer leichten Zeit“.
Mehr als 400 Gäste füllen den großen Saal, viele von ihnen nehmen jedes Jahr an dem kulturellen Großereignis in Ostbrandenburg teil. Zum 13. Mal wird am Sonntag der Kunstpreis verliehen, nie vorher hatte es eine derart starke Beteiligung gegeben: Gut 300 Arbeiten für die Auszeichnungen in den Genres Malerei, Grafik und Plastik waren eingereicht worden.
Vorgestellt in kurzen, filmischen Porträts, für die die Online-Redaktion der MOZ veranwortlich zeichnet, erhalten die drei Preisträger Annette Gundermann, Peter Panzner und Alice Bahra im Anschluss ihre Würdigungen von MOZ-Chefredakteur Frank Mangelsdorf. „Bedrohung – Überfahrt“ heißt das ausgezeichnete Bild von Annette Gundermann, Grautöne herrschen vor, im Vordergrund deutlich zu erkennen: ein Boot. Ebenfalls in verschiedenen Grauschattierungen die „Endstation“ betitelte Aquatinta-Arbeit von Peter Panzner, der den Grafikkunstpreis erhält. Leicht und luftig kommt die mehrteilige kinetische Skulptur „Balance“ daher, für die Alice Bahra gewürdigt wird. „Die Sehnsucht hält mich in der Schwebe, die Balance zu halten ist mein Leben“, zitiert Chefredakteur Frank Mangelsdorf einen Text Alice Bahras und es ist, als würde ihre Installation diesem Satz zustimmend zunicken. Zahlreiche transparente Papiere hat sie gefaltet und an dünnen Nylonschnüren aufgehängt. Bei jedem Luftzug geraten sie in Bewegung.
Seit fünf Jahren ist der Nachwuchsförderpreis ein Begleiter des Kunstpreises. Er wird von der Kulturministerin verliehen und geht diesmal an die Fotografin Anne Heinlein. Besonders ihr Projekt „Wüstungen“, für das sie sich mit zerstörten Ortschaften an der deutsch-deutschen Grenze beschäftigte, hatte es der Jury angetan. Der Förderpreis ist mit einem Stipendium verbunden. „Ich freue mich besonders, eine Fotografin auszeichnen zu können“, sagte Ministerin Martina Münch in ihrer Laudatio. Anne Heinlein habe mit ihrer Arbeit „Sinnbilder gegen das Vergessen“ geschaffen, der Preis solle sie ermutigen, ihren künstlerischen Weg fortzusetzen. Die 39-Jährige war mit ihrem Mann, dem Fotografen Göran Gnaudschun, und den Söhnen Albert, Gustav und Bruno nach Ostbrandenburg gekommen.
Aus der Familie der Kunstpreismitglieder ist auch der Ehrenpreis für ein Lebenswerk, vergeben vom brandenburgischen Ministerpräsidenten, nicht mehr wegzudenken. Der Maler und Bildhauer Joachim Böttcher, der in der Uckermark lebt und im Januar seinen 70. Geburtstag feierte, ist der diesjährige Preisträger. „Brandenburg ist die Heimat vieler kreativer Menschen“, freute sich Dietmar Woidke, der das Schaffen des gebürtigen Thüringers würdigte und frohlockte, dass die Provinz eben ihre ganz besondere Bedeutung für Kunst und Kultur hätte. Die Uckermark sei für Böttcher zu einem „Refugium, einem Rückzugsort, in jedem Fall zu einem Ort der Inspiration“ geworden.
So, wie die Liebenswürdigkeit Emerita Pansowovás die Veranstaltung von Anfang an begleitet, wird von allen Rednern der Wert des Kunstpreises für die Künstler des Landes immer wieder hervorgehoben. Es wird viel gedankt an diesem Tag, denn ohne die Stiftung Neuhardenberg, getragen vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband, aber auch ohne den Kulturjournalisten Peter Liebers wäre das alles nicht denkbar. Liebers hat auch die große Ausstellung kuratiert, die im Anschluss an die Preisverleihung eröffnet wird und bis zum 28. August einen Querschnitt aktueller brandenburgischer Kunst zeigt.
Schon kurz nach ihrer Eröffnung sind die Räume gefüllt, viele Besucher suchen das Gespräch mit den anwesenden Künstlern. Wer mehr über den Kunstpreis erfahren möchte, ist dort genauso an der richtigen Adresse, wie auf der Facebook-Seite des Kunstpreises oder auf der Internetseite der MOZ. Dort sind ab sofort auch die Filme über alle Preisträger 2016 zu sehen.