Seit Sonntag bereist Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Israel. Mit dabei ist eine Delegation Brandenburger Unternehmer. Auf der Agenda steht etwa die Unterzeichnung eines Joint Ventures für eine neuartige Lachs-Produktion im Barnim.
Brandenburg pflegt seit etwa zehn Jahren intensive Beziehungen zu Israel. Die Initiative dazu kam vom damaligen Regierungschef Matthias Platzeck, der als Vize-Chef der Jerusalem Foundation einen besonderen Zugang zu dem Land hatte. Acht Mal reiste Platzeck in den Nahen Osten, um Bande zu knüpfen, unter anderem in den Bereichen Kultur, Sport und Wirtschaft.
Dietmar Woidke war einmal als Innenminister dabei, nun besucht er bis Donnerstag erstmals als Ministerpräsident das Heilige Land. Wieder geht es um Kooperationen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern – und um Fisch.
In Tel Aviv gibt es nämlich den Weltmarktführer auf dem Gebiet der Fischzucht nach der sogenannten Kreislaufanlagen-Technologie. Und diese Firma, Aquamaof, hat nun einen Partner gefunden, um voraussichtlich ab dem Frühjahr 2020 im großen Stil Atlantik-Lachs an Supermärkte und Restaurants zu liefern, 2000 Tonnen pro Jahr.
Jener Partner ist die neu gegründete Berliner Land Lachs GmbH, kurz: Bella, hinter der der Eberswalder Unternehmer Patrick von Hertzberg steht. Er erklärt, worum es geht: So stecke die herkömmliche Lachs-Produktion in Gehegen auf offener See in Nordeuropa in der Krise. Während die Nachfrage nach Fisch wachse, würden Viren, Läuse und Würmer die Erträge schmälern. Die langen Transportwege etwa aus Norwegen belasten die Öko-Bilanz des Supermarkt-Fisches.
Die israelische Firma nun habe jahrzehntelange Erfahrung mit einem völlig anderen Ansatz: Die Fische werden in Becken in einer abgeschlossenen Halle gezüchtet. In Deutschland ist das bislang unbekannt. Künstlich hergestelltes Meerwasser wird in einem Kreislaufsystem gereinigt und dann wieder in die Becken geleitet.
Eine solche Zuchtanlage soll auf dem Gelände des ehemaligen Walzwerks in Eberswalde-Finow entstehen, berichtet Patrick von Hertzberg. Die Art der Fischzucht sei modern und nachhaltig, auch wegen des geringen Wasserverbrauchs. „Und durch stets saubere Wasserumgebung wachsen die Tiere ohne Antibiotika und Hormone heran und werden ohne künstliche Zusätze gefüttert. Tägliches Schwimmen in einer Gegenstromanlage trainiere die Fische und sorge für ihre Beschäftigung.
Die Lachse werden zunächst als Fischeier in Inkubatoren bebrütet, in wechselnden Becken wachsen sie auf drei bis fünf Kilogramm Gewicht heran. Rund 20 Monate dauert die Aufzuchtphase. Patrick von Hertzberg plant mit 33 Mitarbeitern am Standort Eberswalde. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf knapp 32 Millionen Euro. Geldgeber werden unter anderem per Crowdfunding gesucht.
Es dürfte nicht der einzige spannende Deal sein, der rund um Woidkes Israel-Reise eingefädelt wird. Auch märkische Unternehmer aus den Bereichen Klimatechnik, Wasser-Aufbereitung und Biotechnologie fahren mit großen Hoffnungen in den Nahen Osten.