Was einerseits konkret bedeutet, dass nur der Beruf des Winzers hierzulande nicht angeboten wird. Und  andererseits Betriebe jedes Jahr gut 1000 Ausbildungsplätze in der Pflanzen- und Tierproduktion, Milchwirtschaft, Fischerei, Gärtnereie, in Forsten und Revierjagd, Pferde- sowie Hauswirtschaft abieten. Die Bewerberzahlen schwanken jährlich um die 550.
"Um die Fachkräftelücke zu schließen, bräuchten wir die dreifache Zahl an Lehrlingen", erklärt Dr. Gernod Bilke, Referatsleiter Berufliche Bildung im Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung.
Konkrete Zahlen, wie viele Ausbildungsverträge aktuell abgeschlossen sind, will der Referatsleiter nicht nennen. Die würden sich täglich ändern, die letzten Verträge oft erst im Oktober abgeschlossen. Im vergangenen Jahr befanden sich über alle drei Ausbildungsjahre hinweg in Brandenburg 1348 junge Menschen in einer "grünen" Ausbildung, darunter 121 künftige Helfer in jeder Sparte. Diese Zahlen seien über etwa fünf Jahre stabil, so Bilke.
Blickt man auf die einzelnen Berufe, driftet das Interesse weit auseinander. "Für den Garten- und Landschaftsbau interessieren sich in der berlinnahen Re­gion immer mehr Jugendliche, bei der Fachkraft Agrarservice ist die Entwicklung stabil bis leicht steigend. Bei den Förstern bleiben die Zahlen stabil.
Die Zahl der Bewerber für den Beruf des Land- und Tierwirts ist rückläufig, obwohl die Nachfrage aus den Betrieben groß ist", listet der Referatsleiter auf. Auch in Berufen wie dem Milchwirtschaftlichen Laboranten, Fischwirt oder Brenner fehlen immer öfter Bewerber. Ein Problem ist der starke Trend zur Akademisierung – immer mehr Schulabgänger studieren.
Um die andere Gruppe reißen sich alle anderen Branchen. Da haben es grüne Berufe schwer, auch weil sie bei der Bezahlung ihrer Lehrlinge nicht mit Industriebetrieben mithalten können, weiß Gernod Bilke. Dabei ist mit dem neuen Berufsbildungsgesetz überall die Mindestvergütung in den einzelnen Lehrjahren zum 1. Januar 2020 gestiegen. Die Änderungen belasten die Betriebe zusätzlich. "Es suchen aber alle nach Wegen, diese Vergütung hinzubekommen", so der Referatsleiter. Dabei schwankt die Bezahlung innerhalb der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Künftige Milchtechnologen zum Beispiel erhalten im Durchschnitt um die 777 Euro. Andere Betriebe zahlen wenig über der gesetzlichen Mindestvergütung von 515 Euro, beim Landwirt- und Pferdewirt sind es rund 560 Euro, bei Forstwirten 619 und für Gärtner 627 Euro (alle 1. Lehrjahr).
Die Gesamtzahl der Ausbildungsbetriebe ist in sich stabil, neben Abmeldungen gibt es jährlich im Land 30 bis 40 Anträge auf Anerkennung als Ausbildungsbetrieb. Seit vielen Jahren bilden in Ostbrandenburg unter anderem die Gärtnerei am Bauerngut Heimen und Frucht GbR in Libbenichen, der Landwirtschaftsbetrieb GbR Otto Engel & Söhne in Buchholz und die Produktivgesellschaft Dannenberg aus, nennt Ausbildungsberaterin Ute Schneider drei von zig möglichen Beispielen. Berufsschulen verteilen sich auf mehrere Landkreise. Die vertiefende Ausbildung aus Berufsschule und Betrieb erfolgt in Überbetrieblichen Ausbildungszentren, darunter in Oranienburg sowie an mehreren Standorten in Sachsen-Anhalt und Sachsen.

Ganz trivial: Interesse ist wichtig

Wichtigste Voraussetzung, um innerhalb von drei Jahren einen grünen Beruf zu erlernen, sei Interesse. "Das klingt trivial, aber ohne dieses klappt das nicht", betont Gernod Wilke. Er ermuntert Jugendliche, sich, sich im Vorfeld gut zu informieren. "Gerade angehende Pferdewirte haben oft eine komplett falsche Vorstellung vom Beruf, und die Abbrecherquote ist hoch."
Der Schulabschluss sei nicht wichtig, aber die zehnjährige Schulpflicht muss erfüllt sein. Praktika seien immer sehr gut. Wer sich nicht sicher ist, ob der Beruf der Richtige für ihn ist, kann die einjährige Einstiegsqualifizierung nutzen. Mit sehr guter Allgemeinbildung und meist Abitur, so beobachtet es Ausbildungsberaterin Ute Schneider, starten künftige Gärtner, vor allem, wenn sie sich für ökologische Betriebe interessieren.
Jugendliche finden in Betrieben und den Kreisbauernverbänden vor Ort, bei den Agenturen für Arbeit, beim Bildungsverein der Landwirtschaft Brandenburg, der beim Landesbauernverband angesiedelt ist, und beim Kompetenzzentrum Agrar aktiv Brandenburg Ansprechpartner, wenn sie sich über einen grünen Beruf informieren wollen. Agrar aktiv beispielsweise wendet sich mit Veranstaltungen an Schüler und Eltern. Gernod Bilke lobt solche Projekte: "Wir begrüßen alle Initiativen, die sich für eine Ausbildung in einem grünen Beruf engagieren, dafür brennen und positive Effekte erzielen."
Als problematisch bezeichnet der Fachmann das nach wie vor klischeehafte Bild der grünen Berufe in der Öffentlichkeit. "Die Arbeit wird immer noch mit sehr einfachen Arbeitsverhältnissen in Verbindung gebracht. Hier schwingt aber niemand mehr die Sense. Es gibt heutzutage keinen Beruf mehr, der nicht ein Mindestmaß an technischem Verständnis voraussetzt. Das sind mit Blick auf Klimawandel und Technisierung hochspannende Berufe." Gernod Bilke betont eine in seinen Augen Verständlichkeit: "Wir müssen Lebensmittel hier vor Ort produzieren, und das geht nur mit Fachkräften."

Erster Erfahrungsaustausch zur Ausbildung

Der 1. Märkische Ausbildungstag bietet am 19. August in Lichterfelde Buckow (Barnim) Betriebsleitern, Ausbildern und ihren Partnern Vorträge zur Nachwuchsgewinnung und Ausbildung in Grünen Berufen, praktische Beispiele und Erfahrungsaustausch. Veranstalter ist der Bildungsverein der Landwirtschaft Brandenburg (Programm: www.lbv-brandenburg.de)
Grüne Berufe sind: Brenner, Fachkraft für Agrarservice, Fischwirt, Forstwirt, Gärtner, Hauswirtschafter, Landwirt, Milchtechnologe, Milchwirtschaftlicher Laborant, Pferdewirt, Pflanzentechnologe, Revierjäger, Tierwirt, Winzer
Laut Berufsbildungsbericht 2020 verzeichnen nur zwei Bereiche in Ostdeutschland  wachsende Ausbildungsangebote:  der öffentliche Dienst (+12,9 Prozent) und die Landwirtschaft (+3,3). Letztere stellte 2654 Stellen bis zum Stichtag 30. September zur Verfügung. Seit 2013 sind es jeweils mehr als 2400 Stellen. keb