Die Doku begleitet Randl und ihre Familie dabei, wie sie in die Uckermark ziehen und dort eine alte Gärtnerei übernehmen. Dabei geht einiges schief. Denn die Natur ist ebenso schwer zu optimieren wie der urbane Mensch. Da sterben Bienenvölker und Ziegen killen die Obstbäume. Dazu liest eine Stimme aus dem Off aus einer fiktiven Doktorarbeit über das Projekt. Dadurch entsteht häufig Ironie, denn die idealisierten Theorien, möglichst hochgestochen und kompliziert ausgedrückt, stehen oft im krassen Gegensatz zum Gezeigten. So führen etwa gemeinsame Aktivitäten nicht, wie vorgelesen, dazu, soziale und emotionale Bindungen aufzubauen, sondern zu entnervten Diskussionen zwischen den Helfern aus Stadt und Dorf.
Die Regisseurin nimmt viele Klischees der Großstädter mit Hang zum Kauf im Bioladen aufs Korn. Da gibt es Kinder, denen immer der Bauch weh tut, wenn sie Weizen essen. Womöglich haben ihre Eltern noch nicht davon gehört, dass Gluten für Menschen, die nicht an einer Unverträglichkeit leiden, völlig unproblematisch ist. Und eine Imkerin empfiehlt, ein altes Haus zu einem Coworking-Space umzuwandeln, als würde jedes Dorf in Brandenburg nur darauf warten.
So verwuchert wie der große Garten ist auch das Liebesgeflecht der Protagonistin. Erst nach vielen Andeutungen wird ihre polyamouröse Beziehung, die sich in die Reihe der Klischees der Großstädter gut einfügt, entwirrt. Die Regisseurin will auch dieses Thema mit Humor einfangen und schneidet Szenen dazwischen, in denen eine Frau aus dem Dorf über eine Telenovela und ihre nicht ganz unähnlichen Handlungen spricht. Die von Lola Randl und ihrem Mann gefilmte Dokumentation will die Ironie, aber manchmal werden sie zum Krampf, etwa wenn die Helfer gefragt werden, ob sie Mann oder Freund lieber mögen.

Kreisen um die selben Themen

Über eine heiter-seichte Beobachtung der Landlust des urbanen Menschen und seiner Neurosen geht "Der große Garten" dann aber nicht hinaus. Der auf dem gleichnamigen Buch von Randl basierende Film erschöpft sich schnell im Kreisen um die immer selben Themen und Witze. Wirklich ergründen will er das Phänomen der Sehnsucht nach Selbstversorgung und -verwirklichung der gebildeten Städter nicht.
Arte zeigt "Der große Garten" heute um 23.15 Uhr.

Das Buch zum Film

"Der große Garten", nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019  ist ein Roman über die Schwierigkeit, auf dem Land der Fülle des modernen Lebens zu entkommen. Eines Tages beschließt die Filmemacherin Lola Randl dem Berliner Stadtleben den Rücken zu kehren und in Ruhe einen Garten zu bewirtschaften.

Im Herzen der Uckermark beschäftigt sie sich mit Saatzeiten, Schädlingen und Unkraut und Beschnitt. Doch so richtig will die Hinwendung zur Natur und einem einfachen Leben nicht gelingen. Während sie versteht, dass man vor sich selbst nicht davonlaufen kann, beginnt der Garten bunt zu blühen wie das Dorfleben, bereichert um kochende Japanerinnen, Künstler und Glückssucher aller Art.

Verlag Matthes & Seitz, 22 Euro.