Wie engagiert sind Brandenburger Lehrer, wenn es darum geht, ihre Schüler im Unterricht über die DDR-Diktatur aufzuklären? Kritiker monieren schon länger, dass manche Lehrer noch immer ein verklärtes Bild der Diktatur vermitteln. Am Freitag wollte die Enquetekommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur dieser Frage auf den Grund gehen und hörte dazu Bildungsexperten im Potsdamer Landtag. Das Urteil der Gäste fiel ernüchternd aus.
"Von Lehrern, die schon zu DDR-Zeiten tätig waren, wird die kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Diktatur eher gescheut", lautete die Einschätzung des früheren Bildungsministers Steffen Reiche (SPD). Marianne Birthler (Bündnis90/Die Grünen), erste Bildungsministerin des Landes, verwies auf eine sehr große Gruppe von Lehrern, die sich den neuen Gegebenheiten nach der Wende widersetzte.
Andererseits habe es durchaus Lehrer gegeben, die "die Chance der neuen Zeit" nutzen wollten, berichtete Birthler. Neues, demokratisch aufgeklärtes Personal sei in manchen Lehrerkollegien anfangs jedoch sogar "gemobbt" worden. Selbstverständlich habe es auch "Wendehälse" gegeben, sagte die frühere Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen. Sie wisse aber auch von vielen Kollegen, die zutiefst unsicher gewesen seien und nicht gewusst hätten, wie sie mit der neuen Freiheit umzugehen hätten. "Die Bildungspolitik der DDR hatte ganz und gar im Dienste der SED-Politik gestanden. Lehrer waren generationenlang für ein Bildungssystem ausgebildet worden, das Pluralität, Meinungsstreit und Eigenverantwortung unterdrückte", erläuterte Birthler.
Auch Werner Weiß, zu DDR-Zeiten als Lehrer und bis vor zwei Jahren als Schulrat im Kreis Dahme-Spreewald tätig, berichtete, dass sich viele Lehrer mit den neuen Rahmenbedingungen überfordert fühlten. "Entsprechend chaotisch ging es in manchen Fällen zu." Zudem kritisierte er, dass viele Lehrer völlig unwillig gewesen seien, in der neuen Demokratie etwas dazuzulernen und Fortbildungen zu besuchen. Entsprechend wenig hätten die Schüler dann über die DDR-Diktatur gelernt. "Eigentlich hätten diese Kollegen sofort aus dem Dienst gehört. Aber Weiterbildung war ja nicht vorgeschrieben", sagte Weiß. Es habe auch Lehrer gegeben, die sich weiterbilden ließen, aber dennoch an "ihrer alten Einstellung" festhielten.
Weiß monierte, dass es kaum verbindliche Lehrpläne gegeben habe. Entsprechend habe die Möglichkeit bestanden, vor der Geschichtsverarbeitung zu kneifen. "Und es haben viele Lehrer gekniffen", betonte der ehemalige Schulrat. Nach seiner Einschätzung war ein Großteil der DDR-Lehrer linientreu. "An meiner Schule tickte ein Viertel des Kollegiums ähnlich wie ich. Wir hatten eine deutliche Distanz zum System", sagte Weiß. Nach der Wende sei manch überzeugter SED-Genosse im Amt geblieben. "Auch wenn jeder wusste: Der sollte besser nicht bleiben." Manche von ihnen hätten bis heute nichts verstanden. Überhaupt sei das Engagement der Lehrer zur Aufklärung über die DDR-Diktatur nach wie vor sehr unterschiedlich.
Birthler verwies darauf, dass stark belasteten Lehrern konsequent gekündigt worden sei. "Insbesondere dann, wenn sie gegen die Grundsätze der Menschlichkeit verstoßen hatten oder für die Staatssicherheit tätig gewesen waren."