Die studierte Sozialwissenschaftlerin ist parteilos und stammt ursprünglich aus Moers in Nordrhein-Westfalen, lebt aber schon mehr als 30 Jahre in Brandenburg. Im Gespräch miterzählt die Mutter von zwei Kindern, die in Birkenwerder lebt, woher sie ihre Motivation nimmt und was sie für Brandenburg erreichen will.
Frau Dörnenburg, haben Sie ein besonders ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden?
Ja als Kind sehr stark. Ich habe auch darunter gelitten. Mittlerweile sehe ich Ungerechtigkeiten und kann sie gut benennen – aber ich leide nicht mehr so stark, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass nichts bleiben muss, wie es ist.
Was treibt Sie an?
Ich bin in den 1970er-Jahren im Westen zum einen mit einem ziemlich klaren Rollenbild und zum anderen mit dem Wunsch meiner Mutter aufgewachsen, dass ich einmal finanziell unabhängig von einem Mann mein Leben leben kann.  Die Frauenbewegung hat mich fasziniert, aber auch irritiert. Denn die Frauen waren sehr laut und massiv. Sie entsprachen damit nicht dem Rollenverständnis, mit dem ich groß geworden bin. Aber je mehr ich mich mit Frauengeschichte beschäftigt habe, um so besser konnte ich ihren Zorn und ihre Wut, dass sie nicht die gleichen Rechte und Chancen hatten, nachvollziehen. Für Frauen war es immer ein Kampf und nicht selten auch ein tödlicher.
Sie setzen sich seit vielen Jahren für die Clara-Zetkin-Gedenkstätte in Birkenwerder ein. Welche Bedeutung hatte Clara Zetkin für den Kampf um Gleichberechtigung und was können Frauen von heute von ihr lernen?
In meiner Küche hängt ein Spruch von ihr, der besagt sinngemäß: Berufstätigkeit erschließt den Frauen die Welt, aber den Männern gibt sie die Chance, sich um das Zuhause zu kümmern. Es geht also damals wie heute um Gleichberechtigung der Geschlechter. Das heißt, wenn Männer ihre Posten in Parlamenten und Leitungsetagen für Frauen räumen, gewinnen sie im Gegenzug Zeit für ihre Kinder oder die Pflege ihrer älteren Angehörigen. Aus meiner zehnjährigen Erfahrung als Gleichstellungsbeauftragte in Falkensee weiß ich, dass viele junge Männer sehr gerne mehr Zeit mit ihren Kindern wollen. Daran müssen wir gemeinsam anknüpfen.
Der Begriff "Gleichstellungsbeauftragte"  klingt schon direkt kompliziert. Wenn Sie Ihren Kindern erklären, was Ihre Aufgabe ist, was sagen Sie dann?
Dann sage ich, dass ich dafür zuständig bin, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen in unserer Gesellschaft haben.
Wo ist die Lage zurzeit insbesondere für Frauen besonders schlimm?  Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?
Ob die Angriffe auf Frauen in der Corona-Krise zugenommen haben, müssen wir analysieren. Aber es hat sich sehr deutlich gezeigt, dass im Lockdown die Frauen die größte Last  zu tragen hatten. Wissenschaftlerinnen sagen, dass die Krise uns im Rollenverständnis um 30 Jahre zurückwirft. Das hat damit zu tun, dass Frauen schon immer mehr in dieser Rolle verhaftet sind. Sie arbeiten Teilzeit und stecken zurück, damit das Familienleben funktioniert.
Wie wichtig ist Ihnen gendergerechte  Sprache?
Sehr wichtig. Wenn nur in männlicher Form gesprochen wird, fühle ich mich nicht angesprochen. Ich beobachte mit Wohlwollen, dass die gendergerechte Sprache in den Medien zunehmend benutzt wird. Wenn in Radiobeiträgen mit Stern gesprochen wird, klingt das manchmal komisch, aber oft auch sehr gekonnt. Dann denke ich: Geht doch! Wenn sich Menschen direkt angesprochen fühlen, passieren manchmal Wunder.
Wo sehen Sie  Ihre Schwerpunkte für die künftige Arbeit?
Mir ist die Umsetzung der Istanbul-Konvention ganz wichtig. Wir müssen Frauen vor häuslicher Gewalt schützen – vor Gewalt insgesamt. Erst kürzlich sind in Brandenburg drei Frauen ermordet worden. Wir brauchen Sicherheit und Beratung für die Frauen. Die Frauenhäuser müssen sich besser vernetzen. Die Mitarbeiterinnen dort haben eine Fülle von Aufgaben und ich frage mich oft: Wie schaffen die das? Sie müssen entlastet werden. Wir müssen ordentliche Beratungsstrukturen überall in den Regionen schaffen. Das wird uns in den nächsten vier Jahren nicht ganz gelingen.