Die Zahlen vorneweg: Mit 1150 neuen Lehrern sollten die öffentlichen Schulen ins neue Schuljahr starten. 1061 Nachwuchskräfte haben entsprechende Verträge unterzeichnet, 24 weitere verbindliche Zusagen gemacht, erklärte Bildungsminister Günter Baaske am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Potsdam.
Der SPD-Politiker hofft auf weitere Zusagen in den nächsten Tagen. Probleme, offene Stellen zu besetzen, gibt es vor allem in Eberswalde. Gründe dafür wurden nicht genannt, vor Ort hüllt man sich in Schweigen.
Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Baaske sogenannte Buschzulagen erproben wollen. Freie Stellen, auf die sich bei zwei Ausschreibungen niemand bewirbt, sollten mit 300 Euro zusätzlich pro Monat für drei Jahre vergütet werden. Ein Lehrer ließ sich in den letzten Jahren so an eine unterbesetzte Schule nach Ostbrandenburg locken, einige Monate späte war er wieder weg.
Baaske berichtete von einer Schule, in der sich unmittelbar vor Schuljahresbeginn sechs Lehrer langzeitkrank gemeldet haben. In den vergangenen Jahren hatte der Minister schon mal geschimpft, dass erstaunlich viele Lehrer sich zu Ferienbeginn gesundschreiben lassen und dann pünktlich zum September wieder erkranken. Angesichts der Schelte, die er damals einstecken musste, verzichtete Baaske jetzt auf solche Äußerungen.
Auffällig ist, dass rund um Berlin das Durchschnittsalter der Lehrer bei 48 oder 49 Jahren liegt. Im Oderbruch, im äußersten Norden der Uckermark und in der Lausitz liegt das Durchschnittsalter bei mehr als 54 Jahren. Das Durchschnittsalter der neu Eingestellten gab das Ministerium mit 36,9 Jahren an.
215 Seiteneinsteiger werden neu an den Schulen unterrichten - zehn weniger als im vergangenen Jahr. 142 davon sind beispielsweise Diplomsportlehrer, haben aber kein Referendariat absolviert und kein zweites Fach studiert. Es gibt außerdem Heilpraktiker oder Heimerzieher unter den Seiteneinsteigern. Baaske betonte, dass sie keine Festanstellung erhalten und erst recht nicht verbeamtet werden, so lange sie nicht die erforderlichen Zusatzstudien absolviert haben.
Mit Blick auf andere Bundesländer, etwa Nordrhein-Westfalen, wo fast die Hälfte der neuen Stellen nicht besetzt werden konnte, zeigte sich Baaske zufrieden. Allerdings wären die Neueinstellungen nur gelungen, weil vor der Sommerpause die Gehaltsstufe der Lehrer für Oberschullehrer angehoben wurde. Im Schnitt verdienen sie jetzt 450 Euro mehr pro Monat. Wann eine entsprechende Angleichung der Grundschullehrer erfolgen soll, ließ er offen.
Im Programm Gemeinsames Lernen gehen ab diesem Schuljahr 129 Schulen an den Start. Baaske ersetzt damit den unbeliebten Begriff Inklusion, die Integration von Kindern mit Lernbehinderungen oder emotional/sozialen Problemen. Für dieses Vorhaben sind 432 zusätzliche Lehrkräfte für die nächsten beiden Schuljahre vorgesehen. Innerhalb der kommenden sechs Jahre, so Baaske, soll in allen Schulen das Gemeinsame Lernen umgesetzt sein. Förderschulen für Kinder mit Lernproblemen seien dann nicht mehr erforderlich.
Nach dem Desaster mit dem Mathe-Abi im vergangenen Schuljahr, bei dem zahlreiche Schüler die Prüfung wiederholen mussten, weil der abgefragte Komplex nicht überall unterrichtet worden war, sollen ähnliche Pleiten vermieden werden. In den Abiturklassen gibt es in diesem Jahr eine Stunde mehr Mathe-Unterricht. Die Fortbildung der Lehrer wird strenger kontrolliert und die Nutzung von CAS-Taschenrechnern (grafikfähige Modelle) wird flächendeckend eingeführt, kündigte Baaske an.
Mehr als 800 Fachkräfte und 215 Seiteneinsteiger für neues Schuljahr rekrutiert
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