Vor allem morgens und nachmittags will Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) auf einigen stark frequentierten Strecken mit dem Fahrplanwechsel im Dezember zusätzliche Züge fahren lassen und damit den steigenden Fahrgastzahlen Rechnung tragen. Im vergangenen Jahr nutzten im Verkehrsverbund Berlin Brandenburg 1,32 Milliarden Fahrgäste den öffentlichen Nahverkehr - ein Rekord.
Schwerpunkt der Nachbesserungen ist die "dynamisch wachsende Hauptstadtregion", wie der VBB am Freitag mitteilt. So werden ab Dezember auf der von der Ostdeutschen Eisenbahn Gesellschaft (Odeg) befahrenen Regionalexpresslinie 2 zwischen Berlin und Cottbus montags bis freitags zwei zusätzliche Züge eingesetzt. Dass die das Pünktlichkeitsproblem beim RE2 zusätzlich verschärfen, glaubt Arnulf Schuchmann, Sprecher der Odeg-Geschäftsführung nicht. "Das ist eine Verbesserung für die Fahrgäste - wir haben morgens und abends das Intervall auf eine halbe Stunde verdichtet", sagt Schuchmann.
Auch beim RE3 wird das Angebot zwischen Prenzlau, Angermünde und Berlin erweitert. Entlastet werden soll zudem der RE5 zwischen Neustrelitz und Berlin. "Die Verkehrsangebote und Kapazitäten müssen der Nachfrage entsprechend angepasst werden", sagt VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel. Allerdings haben sich Bund und Länder noch immer nicht auf die Regionalisierungsmittel einigen können, mit denen der Nahverkehr finanziert wird.
Sollten sich die Bundesländer mit ihrer Idee durchsetzen, das Geld vom Bund künftig nach dem "Königsteiner Schlüssel" aufzuteilen - also nach Einwohnerzahl und Steueraufkommen - würde Brandenburg für das laufende Jahr nur 226 statt 417 Millionen Euro erhalten - und müsste somit die Hälfte des Streckennetzes stilllegen. "Um unser gutes Nahverkehrsangebot im VBB auch künftig zu sichern, ist es dringend notwendig, dass die zurzeit auf dem Prüfstand stehenden Regionalisierungsmittel, die der Bund den Ländern zur Finanzierung des Schienenverkehrs zur Verfügung stellt, auch entsprechend bedarfsgerecht steigen", fordert die VBB-Geschäftsführerin.
Die am Freitag verkündete Ausweitung des Angebots wird Verkehrsminister Vogelsänger zufolge durch Ausschreibungsgewinne finanziert. In den vergangenen Jahren seien Schienennahverkehrsleistungen in beiden Ländern im Wettbewerb vergeben worden. Die Gewinne würden nun zurückfließen in die Bestellung von Leistungen.
Davon profitieren auch Pendler in Regionalbahnen. Zwischen Eberswalde, Bernau und Berlin-Lichtenberg werde anstelle der heutigen RB60 mit der RB24 eine neue Linie eingeführt, auf der die aus Hennigsdorf stammenden Bombardier-Fahrzeuge vom Typ Talent2 zum Einsatz kommen. Mit ihnen wird nach Angaben des VBB die Sitzkapazität von derzeit 70 auf 210 pro Zug erhöht. Verstärkt werden sollen auch die Linien RB60 zwischen Frankfurt (Oder) und Eberswalde sowie die OE65 zwischen Cottbus und Zittau.