"Es ist den Fahrgästen einfach nicht mehr zuzumuten, was sich da im Regionalexpress 1 abspielt", sagt Jens Klocksin, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Die Ost-West-Bahnlinie, die Frankfurt (Oder) mit Berlin, Potsdam, und Brandenburg (Havel) verbindet, ist nicht nur eine der am besten ausgelasteten Deutschlands, sie ist in den Spitzenzeiten morgens und abends auch regelmäßig überfüllt. "Die Fahrgäste haben ein Recht auf einen Sitzplatz", findet auch Anita Tack, verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag.
Das Problem sieht auch Staatssekretär Rainer Bretschneider. Eine dichtere Zugfolge scheitert bislang jedoch am Berlin. Dort verweist man auf die parallel verlaufende S-Bahn und fürchtet, einen Fahrgastschwund, wenn der RE1 dreimal statt zweimal pro Stunde fährt. Dieses Argument wird von Brandenburger Seite zurückgewiesen. S-Bahn und Regionalexpress erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich, sagt Klocksin.
Auch den Verkehr Richtung Norden sieht er als dringend verbesserungswürdig an. Die Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofes habe der Stadt Eberswalde eine halbstündige Anbindung an die Berliner Innenstadt beschert. Ein Zug pro Stunde reiche aber nicht mehr aus. Der Nahverkehrsplan sieht auch einen Ausbau der Strecken Berlin-Eberswalde-Stettin beziehungsweise Berlin-Eberswalde-Usedom-Swinemünde vor. Allerdings läuft dies nur unter der Rubrik Ausbaustufe 2020. Über die konkrete Umsetzung gibt es keine Aussagen.
Unzufriedenheit herrscht auch mit der Anbindung des Nordwestens. Der Prignitz-Express wurde zwar zu Beginn des Jahres eingeweiht. Allerdings verbindet er die Region nicht mit Berlin, sondern endet in Hennigsdorf. Dort muss man in die S-Bahn umsteigen. Berlin argumentiert auch hier mit Parallelverkehr. Für die Stadt Neuruppin ergibt sich so der völlig unhaltbare Zustand, dass Gäste vom Berliner Hauptbahnhof zwei S-Bahnen nutzen müssen, bevor sie den Prignitzexpress erreichen. Im günstigsten Falle dauert die Anreise anderthalb Stunden. Klocksin fordert auch hier eine Bahnanbindung zumindest bis Berlin-Gesundbrunnen. Im Verkehrsministerium wird auf Investitionskosten von 90 Millionen Euro verwiesen. Auch die Anbindung der sogenannten Heidekrautbahn aus der Schorfheide nach Berlin-Gesundbrunnen wird geprüft. Sie endet jetzt in Berlin-Karow, was noch einmal eine halbstündige S-Bahnfahrt bis ins Berliner Zentrum bedeutet.
Am aussichtsreichsten sind die Chancen für die Verlängerung der Ostbahn. Die Züge aus Küstrin über Strausberg sollen nach Fertigstellung des Ostkreuzes dort halten, statt wie bisher in Berlin-Lichtenberg. Einer Weiterfahrt zum Flughafen Schönefeld hatte Verkehrsminister Reinhold allerdings eine Absage erteilt. Wenig Chancen scheint auch die Potsdamer Stammbahn zu haben, die älteste Bahnlinie Brandenburgs. Diese sollte vom Potsdamer Platz über Kleinmachnow, Dreilinden nach Potsdam führen. Ein Gutachten ergab einen ungünstigen Kosten-Nutzenfaktor für das 160 Millionen Euro teure Projekt.
Klocksin, selbst Kleinmachnower, kritisiert die Berechnungen und will weiter kämpfen für die bislang vom Bahnverkehr völlig abgeschnittenen Großgemeinden Kleinmachnow und Stahnsdorf. Beide zusammen haben immerhin rund 35 000 Einwohner.