Yaya Touray, den alle nur Yadi nennen, hängt sich rein. Er steht am Mittelkreis, hat den Ball am Fuß, guckt, dann der Pass, gedacht für den durchstartenden Stürmer. Der Pass ist ein bisschen zu lang, er kommt nicht an. Seine Nebenleute feuern ihn trotzdem an. "Schön Yadi, guter Versuch", rufen sie. Yadi lächelt, wenn auch ein bisschen gequält. Der Pass hätte besser kommen können, denkt er wohl.
Es ist ein Mittwochabend im August, die Sonne hängt schon tief über dem Fritz-Lesch-Stadion im Eberswalder Stadtzentrum. Mittwochs und freitags sind immer Trainings. Für Yadi, der aus Gambia stammt und seit gut einem Jahr in Deutschland auf Asyl hofft, heißt das: Stress abbauen. "Wenn ich Fußball spiele", sagt der 40-Jährige, "dann ist der Stress weg." Und Stress gibt es in seinem Leben genug. Kann er bleiben? Muss er zurück nach Frankreich, seiner 1. Station in Europa? Oder sogar wieder zurück nach Gambia, wo er Angst um sein Leben hat?
In der Heimspielstätte des FSV Lok Eberswalde, dem größten Fußballklub der Stadt, fällt das alles von ihm ab, die Fragen, die Ungewissheit. Dort geht es nur um Fußball. Um Pässe, um Tore, um Gemeinschaft.
"Yadi ist richtig gut", schwärmt Götz Herrmann, der 1. Vorsitzende des FSV Lok. Dass der Mann aus Gambia, "ein Striker", wie er sagt, also ein Stürmer, jetzt im Eberswalder Verein spielen kann, ist auch Herrmanns Verdienst. Er hat gemeinsam mit einigen Mitstreitern im Sommer ein drittes Männerteam beim FSV Lok gegründet. Ein Integrationsteam, speziell für Flüchtlinge. Ebenfalls mit dabei sind ehemalige Lok-Spieler, Studenten und Freizeitkicker "Wir wollten was machen", sagt Herrmann, der selbst mitspielt. Er findet: "Integration gelingt am besten in Vereinen."
Die neu gegründete dritte Mannschaft des FSV Lok tritt in der 2. Kreisklasse an, der untersten Spielklasse im Fußballkreis Oberhavel/Barnim. Die Ergebnisse des Teams seien zweitrangig, es gehe ums gemeinsame Spielen. "Wir suchen nicht nach Talenten, bei uns ist jeder willkommen", sagt Herrmann. Sechs Flüchtlinge waren schon dabei, im Moment sind es drei. "Einige kommen in andere Unterkünfte und sind plötzlich wieder weg", sagt der Lok-Chef.
Yadi ist schon länger beim FSV. Er hat in Gambia als Taxifahrer gearbeitet, bevor er floh. Man hat ihn verfolgt, weil er auch Touristen befördert hatte, die homosexuell waren. "Das ist bei uns verboten, sagt Yadi. Er berichtet offen über seine Geschichte, im Team kennt man sie. Anders ist es bei Mohammed Osman (23) aus Somalia. "Problems", sagt er nur, Probleme, die habe er gehabt. Mehr will er nicht sagen.
"Manchmal bleibt es Stückwerk, was man erfährt", sagt Mitspieler Sven Christian. Aber das sei okay. "Sie sehen, wie wir leben, wir erfahren was von ihnen", sagt Christian, das sei gut.
Allein im Landkreis Barnim werden in diesem Jahr 1200 Asylbewerber erwartet. Der FSV Lok Eberswalde ist dabei nicht der einzige Fußball-Verein der Region, der die Tür für Flüchtlinge geöffnet hat. Bei Brandenburgligist FV Preussen Eberswalde spielt schon seit etwas mehr als einem Jahr ein junger Mann aus Kamerun, der 22-Jährige Eric Mba. Letzte Saison war er bester Torschütze des Teams. Auch kleinere Klubs bekommen Zulauf. Beim FSV Groß Schönbeck trainieren seit einigen Wochen Syrer mit, bei Kickers Oderberg sind es zwei Kenianer und ein Kameruner.
Die Tendenz ist steigend. Das hat man auch beim Fußball Landesverband Brandenburg (FLB) registriert, wo die Vereine die Spielberechtigungen beantragen müssen. Das Aufkommen an Anträgen für Flüchtlinge ist in diesem Sommer im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren "dreifach so hoch", sagt Marina Hein, Leiterin der FLB-Passstelle.
Es gibt dabei auch Hürden zu überwinden, denn in einigen Fällen muss der Weltfußballverband Fifa eingeschaltet werden, oder die Nationalverbände der Heimatländer. Und das kann dauern. So wie im Fall von Yadi, dem Lok-Spieler aus Gambia. Er wartet noch auf die Freigabe für seinen Spielerpass. Mittrainieren kann er aber jetzt schon.