"Der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, hat eine Einladung ausgesprochen. Wir sollen das Kloster Neuzelle in Deutschland neu besiedeln", verkündet die österreichische Zisterzienserabtei am Dienstag auf ihrer Facebook-Seite und stellt ein Bild dazu, auf dem Abt Maximilian Heim drei Mitbrüder segnet, die gemeinsam mit Pater Kilian Müller "zu einer ersten Erkundung nach Neuzelle aufgebrochen sind", wie die Abtei bestätigt.
Ihr Auftrag: Sie sollen untersuchen, ob ein Mönchsleben in der einzigartigen Klosteranlage möglich ist. "Denn wenn, dann soll das ein ordentliches Kloster werden, wo Mönche leben, beten, Choral singen, Gästebetreuung und viel Jugendseelsorge machen können", so die Abtei Heiligenkreuz.
Der Auftrag kommt von ganz oben: Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt hatte sich vor geraumer Zeit mit der Idee an die gläubigen Kollegen in Österreich gewandt, knapp 200 Jahre nach der Säkularisierung durch König Friedrich Wilhelm III. wieder Mönche in Neuzelle anzusiedeln. Der Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr. "2018 feiern wir das 750-jährige Gründungsjubiläum", sagt der Görlitzer Generalvikar Alfred Hoffmann. Gelingt das Projekt, sollen sechs Mönche nach Neuzelle übersiedeln und einen Konvent gründen. "Sie sollen dann nicht so tun als ob, sondern richtig leben wie im Kloster und auch Aufgaben in der Seelsorge übernehmen", verspricht der Stellvertreter des Bischofs.
Zwei Wochen lang sind die vier Mönche nun im katholischen Pfarramt von Neuzelle bei Pfarrer Ansgar Florian zu Gast. "Sie werden sich umsehen - im Ort, in der Kirche, im Kloster, in der Pfarrgemeinde", sagt er. "Das ist ein Kennenlernprozess, in dem sie mit uns als Pfarrgemeinde leben und auch bei den Gottesdiensten anwesend sein werden." Danach würden sie ihren Brüdern der Zisterzienserabtei im Stift Heiligenkreuz von den Eindrücken in Neuzelle berichten. Schon im November, so bestätigt Generalvikar Hoffmann, soll eine Entscheidung fallen.
Die Landesregierung steht der Wiederbesiedelung der Klosteranlage durch die Mönche aufgeschlossen gegenüber. Im Mai habe es Kontakte zwischen Kulturministerin Martina Münch (SPD) und Bischof Ipolt gegeben, sagt Ministeriumssprecher Stephan Breiding. "Die Ministerin hat das begrüßt." Auch deshalb, weil sämtliche Anlagen im Besitz des Landes sind und mit dem Wiedereinzug der Mönche an eine jahrhundertealte Stiftstradition angeknüpft werden kann. "Die Zisterzienser hatten schließlich große Verdienste bei der Kultivierung des Landes", sagt Breiding und meint damit nicht nur den Weinanbau. Entscheiden sich die Mönche für Neuzelle, sei das Land als Eigentümer der Anlagen zu einer Kooperation bereit.