Der Mordversuch eines 51-jährigen Griechen aus Berlin am Inhaber der Flugschule Arrow Airservice Strausberg, Winfried G., soll keine Kurzschlusshandlung hoch über den Wolken, sondern vielmehr eiskalt geplant gewesen sein. Nach MOZ-Informationen ist der Grieche, der seine dritte Flugstunde absolvierte, durchaus nicht während des Fluges durchgedreht, wie zunächst vermutet wurde.
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Die mit den beiden Männern besetzte Cessna war am Freitagabend vom Fluglehrer im Oderbruch notgelandet worden. Dabei geriet sie etwa 50 Meter neben dem Oderbahn-Radweg mit dem Bugrad auf die schilfbewachsene Böschungskante der Mucker, eines Flüsschens nahe Bienenwerder. "Einen Meter weiter, und er hätte eine ganz stabile Landung hingekriegt", sagen Augenzeugen.
Sie hatten den seltsamen Flug der Cessna über Zollbrücke und Zäckerickerloose beobachtet. "Er drehte über dem Dorf mehrere Runden, wechselte ständig die Flughöhe und flog sehr unruhig und ruckartig", berichtet eine Anwohnerin. Offenbar war es während des Ausbildungsfluges zu einem Gerangel an Bord gekommen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums bestätigte am Sonntag, dass es zwischen Flugschüler und dem 73-jährigen Piloten zu einem Streit gekommen war.
Vermutungen, dass sich der gebürtige Grieche umbringen wollte, bestätigte die Polizei nicht. Der Mann habe aber den Piloten und Inhaber der Flugschule aus Strausberg (Märkisch-Oderland) angegriffen und versucht, sich aus dem Kleinflugzeug zu stürzen. Das sei ihm jedoch nicht gelungen, heißt es seitens der Polizei.
Die Augenzeugen am Boden hätten sich schon gefragt, was da in der Kabine wohl abgehe. Dann sei die Maschine heruntergekommen und habe sich nach der ersten Bodenberührung überschlagen. Ein junger Mann holte den kopfüber in der Kabine hängenden Piloten, dem das Blut einer Kopfwunde über das Gesicht lief, aus der Maschine. In der Zeit verließ der Flugschüler das Flugzeug und lief davon.
Der Pilot wurde bereits mit dem Hubschrauber in das Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn geflogen, während die Polizei mit mehreren Fährtenhunden die Spur des Flugschülers aufnahm. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera wurde bei der Suche nach dem Vermissten in der Dunkelheit eingesetzt. Gefunden wurde der verletzte Flugschüler in einer Böschung. Inzwischen befindet er sich im Haftkrankenhaus. Der deutschen Sprache ist der in Berlin lebende Grieche offenbar nicht mächtig: Die Polizei musste einen Dolmetscher hinzuziehen, um ihm den Haftbefehl zu verkünden.
Pilot Winfried G. habe offensichtlich keine Knochenbrüche, bestätigte seine Frau Brigitte auf MOZ-Anfrage. Ihm gehe es den Umständen entsprechend wieder besser. Ein Ende der Firma sei mit dem Absturz nicht zwangsläufig verbunden. Arrow Airservice verfügt über vier Kleinflugzeuge des Typs Cessna, die Unglücksmaschine sei, wie vorgeschrieben, versichert gewesen. Ans Aufhören habe ihr Mann Winfried auch nie gedacht: "Er ist einfach noch so fit und beherrscht eben das Einmaleins des Fliegens perfekt. Wir haben auch junge Fluglehrer, aber sein großer Erfahrungsschatz ist eben immer wieder gefragt."
Seine Flugschule gründete der Pilot 1996 in Strausberg. Die Ausbildung mit 30 Flugstunden kostet knapp 7000 Euro. Warum der Grieche sich in Strausberg ausbilden ließ, ist bislang genauso unklar wie das Motiv der Tat. Unmittelbar nach dem Absturz hatten Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung aus Braunschweig die Maschine untersucht.
Erst im September vergangenen Jahres war vom Flugplatz Strausberg aus ein mexikanischer Pilot gestartet und auf der dänischen Insel Bornholm abgestürzt. Untersuchungen ergaben, dass es sich bei dem Piloten um einen international gesuchten Kriminellen handelt, der in Wirklichkeit nicht mexikanischer, sondern iranischer Nationalität ist.
Am Unglücksort: Weil Pilot Winfried G. bei seiner Notlandung mit dem Bugrad die Böschungskante des Flüsschens Mucker berührte, riss das Rad ab. Die Maschine überschlug sich und kam auf dem Dach zum Liegen. Sie hat jetzt einen wirtschaftlichen Totalschaden.Mehr Bilder unter www.moz.de Foto: Sören Tetzlaff
Verletzt im Krankenhaus: Pilot Winfried G. Foto: MOZ/Detlef Klementz
Frankfurter Staatsanwaltschaft erlässt nach Absturz Haftbefehl gegen griechischen Flugschüler