Dem 25 Jahre alten Jan G. droht damit ein unbefristeter Freiheitsentzug. Lebenslange Haft bei besonderer Schwere der Schuld bedeutet, dass ein Verurteilter im Schnitt 30 Jahre im Gefängnis sitzt, in Einzelfällen aber noch viel länger. Daran könnte sich für Jan G. eine theoretisch unbegrenzte Zeit in der Sicherungsverwahrung anschließen. Es wird dann mit Blick auf eine mögliche Entlassung regelmäßig geprüft, ob weiter eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.
Staatsanwalt Jörg Tegge führte in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Frankfurt aus, dass Jan
G. jeweils in Verdeckungsabsicht und im Falle der überfahrenen Polizisten auch aus Heimtücke getötet habe. Der Angeklagte hatte vor knapp einem Jahr zunächst in Müllrose seine Oma niedergeschlagen und im Anschluss erstochen. Dies habe er getan, um den Gewaltausbruch davor zu verdecken. „Er glaubte, mit der Tötung bessere Karten zu haben“, erläuterte der Ankläger.
Danach flüchtete Jan G., der nie einen Führerschein besaß, im Auto seiner Großmutter in Richtung Beeskow und Oegeln, wo er laut Tegge gezielt und mit Tötungsabsicht zwei Polizisten überfuhr, die am Straßenrand standen um seinen Wagen mit einem Nagelgurt zu stoppen. Als widerlegt betrachtete Tegge die Behauptung des Angeklagten, dass er dem Gurt ausweichen wollte. „Als Jan G. sie überfuhr, hantierten die Beamten mit dem Stop-Stick. Er lag nicht auf der Straße.“ Da die Männer kaum zwei Sekunden Zeit hatten, dem mit Tempo 130 heranrasenden Wagen auszuweichen, sei die Tat auch als Mord aus Heimtücke zu bewerten, so Tegge. Der Ankläger betonte, dass Jan G. bei allen Taten voll schuldfähig gewesen sei. Weder seine Persönlichkeitsstörung noch sein Drogenkonsum hätten die Einsichtsfähigkeit entscheidend beeinträchtigt.
Zwei Nebenklagevertreter zeigten sich am Freitag sehr zufrieden mit den Ausführungen des Staatsanwalts und schlossen sich seinen Forderungen an. Dennis
Matthies, der die Witwe eines der getöteten Polizisten vertritt, nutzte sein Plädoyer für eine Abrechnung mit dem Angeklagten, warf ihm Selbstherrlichkeit und die fehlende Bereitschaft vor, sich mit den Taten auseinanderzusetzen: „Ich wünsche Ihnen für die Zukunft kein Glück. Ich wünsche Ihnen aber, dass Sie den von Ihnen angerichteten Schaden endlich realisieren.“

Am Dienstag wird der Prozess mit weiteren Plädoyers fortgesetzt, am Freitag soll das Urteil gesprochen werden.