Zu der Zeit war Ulf noch in Polen, wie die Schreiadler-Experten Bernd-Ulrich Meyburg und seine Frau Christiane aus den Daten seines Funksenders herauslesen konnten. Das Männchen übernachtete vom Mittwoch zu Donnerstag bei Pila (Schneidemühl) und setzte seinen Weg dann wesentlich weiter nördlich als Marta fort. Ulf erreichte schließlich am Donnerstag gegen 14 Uhr das Nest.
Damit sind beide Schreiadler hoffentlich wohlbehalten, aber mit etwa zwei Wochen Verspätung zurück. Auch viele ihrer Artgenossen sind in diesem Frühjahr verspätet heimgekehrt. Viele Schreiadler haben auf der Reise aus ihren Überwinterungsgebieten ungewöhnlich lange Zwischenstopps noch im Süden Afrikas eingelegt, vermutlich um sich Reserven für den 13 000 Kilometer langen Flug anzufressen.
Eine mögliche Erklärung dafür ist die seit 1970 stark zurückgegangene Niederschlagsmenge im Überwinterungsgebiet im südlichen Afrika, nimmt Bernd-Ulrich Meyburg an. Die Tiere finden nicht genug Beute und sind wahrscheinlich gezwungen, länger in ihren Winterquartieren zu bleiben, um die Energiereserven für den Rückflug zu sammeln.
Die spannende Frage ist jetzt, ob Marta und Ulf brüten. In zurückliegenden Jahren wurde beobachtet, dass zu spät heimkehrende Tiere keine Brut mehr beginnen. Die Märkische Oderzeitung hat sowohl den Zug in die Winterquartiere als auch den Rückflug der Vögel begleitet und wird auch berichten, ob es in diesem Jahr Nachwuchs gibt.