Am Donnerstag wurde die neue polnische Autobahn zwischen Frankfurt (Oder) und Posen für den Verkehr freigegeben. Die MOZ machte gleich am ersten Tag eine Testfahrt.
"Ich bin ja schon fast in Posen. Da hätte ich ja noch eine Stunde länger schlafen können." Manfred Schneider, der für eine Spedition dreimal in der Woche in die westpolnische Messemetropole fährt, gönnte sich gestern Vormittag erstmal eine Pause auf einem der neuen Parkplätze.
Dem Mann aus Magdeburg ging es wie uns: Eine vierspurige Fahrbahn, zu der auf beiden Seiten nicht nur jeweils eine Standspur, sondern auch breite Sicherheitszonen für eventuelle Notfälle gehören, ergeben ein völlig neues Fahrgefühl durch das Nachbarland. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich über eine Landstraße quälen musste, die kurvenreich und voller tiefer Fahrspuren ist. Auch das Überholen der vielen Lkw geriet dort häufig zum Risiko, wussten doch die meisten deutschen Kraftfahrer nicht so recht, was die gestrichelten Linien am Fahrbahnrand zu bedeuten hatten.
Jetzt kommt es zwar östlich der Oder auch zu gegenseitigen Überholmanövern der Brummis - so versuchte ein polnischer Lkw einem Ukrainer gestern offenbar klar zu machen, das er in der Hackordnung auf der Piste weiter oben steht - aber man gewinnt das Gefühl von mehr Sicherheit. Und das, obwohl bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h die Landschaft schneller vorbeizieht als früher.
"Das neue Tor nach Deutschland ist eröffnet" und "Unser modernster Weg nach Europa" - mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen machen die Medien des Nachbarlandes ihre Berichte über den "Highway" auf. Die im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012 eröffnete Piste ist für Polen zweifellos ein gesellschaftliches Ereignis. Bei der Einweihungsparty, die am Mittwochabend mit einer großen Licht-Show an der Strecke begann, fanden sich sowohl der aktuelle Staatspräsident Bronislaw Komorowski als auch seine beiden Vorgänger Aleksander Kwasniewski und Lech Walesa ein.
Der Wojewode von Posen hatte tags zuvor gar eine Konferenz zu dem Thema einberufen, wie man die kürzere Verbindung nach Berlin (die Fahrzeit zwischen den beiden Metropolen reduziert sich von bisher viereinhalb bis fünf auf drei Stunden) für mehr Kontakte nutzen sollte.
Aber auch Rainer Schwarz, der Chef der Berliner Flughäfen, ist sich sicher, "dass die Autobahn noch mehr Polen als bisher in die deutsche Hauptstadt und zu Flügen von hier anregen wird". Schon jetzt tun dies jährlich rund eine Million Bewohner des Nachbarlandes.
Freilich fiel am ersten Betriebstag auch auf, dass zahlreiche Lkw-Fahrer der neuen Verbindung offenbar noch nicht trauen und weiter die Landstraße nutzen. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass es an der neuen 105,9 Kilometer langen Strecke noch keine Tankstellen und Gaststätten gibt. "Die werden im Mai eröffnet, wenn dann auch Mautgebühr bezahlt werden muss", erklärte ein Sprecher der Betreibergesellschaft "Autostrada Wielkopolska". Einem Fahrer, dem gestern der Treibstoff ausgegangen war, musste deshalb ein Einsatzfahrzeug der Gesellschaft zu Hilfe eilen. Diese erreicht man über das Not-Telefon +4861 8383112.
Dafür gibt es an der Strecke schon jetzt auffällig viele Tierbrücken. Deren Bau war eine Auflage der EU, die Europäische Investitionsbank hatte einen Kredit über eine Milliarde Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt.
Hier und da wird auch noch gewerkelt, zum Beispiel gleich hinter der Grenze, wo noch Mittel-Leitplanken fehlen. Auch die Häuschen, in denen ab 21. Mai 2012 die Mautgebühr kassiert wird, sind noch nicht fertig. Ein Ausflug zum Beispiel in den nur noch 45 Minuten von der Grenze entfernten Kurort Lagow etwa (Abfahrt Torzym benutzen) ist jetzt aber kein Verkehrs-Abenteuer mehr.
l Länge von Frankfurt bis Warschau: 452 Kilometer
l Länge des neuen Teilstücks bis Nowy Tomysl: 105,9 Kilometer
l Kosten: 1,6 Milliarden Euro
l Maut: kostenfrei bis 20. Mai 2012; anschließend zwischen Swiecko und Posen voraussichtlich 8 Euro
l erwartetes Verkehrsaufkommen: Täglich 4000 Lkw und 8000 Pkw im Jahr 2012; Verdreifachung bis 2037 prognostiziert.
l 84 Brücken, sechs Anschlussstellen: Swiecko, Rzepin, Torzym, Jordanowo, Trzciel, Nowy Tomysl
l Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h für Pkw, Lkw bis 3,5 Tonnen und Motorräder; 80 km/h für Lkw ab 3,5 Tonnen und Busse
l Länge von Frankfurt bis Warschau: 452 Kilometer
l Länge des neuen Teilstücks bis Nowy Tomysl: 105,9 Kilometer
l Kosten: 1,6 Milliarden Euro
l Maut: kostenfrei bis 20. Mai 2012; anschließend zwischen Swiecko und Posen voraussichtlich 8 Euro
l erwartetes Verkehrsaufkommen: Täglich 4000 Lkw und 8000 Pkw im Jahr 2012; Verdreifachung bis 2037 prognostiziert.
l 84 Brücken, sechs Anschlussstellen: Swiecko, Rzepin, Torzym, Jordanowo, Trzciel, Nowy Tomysl
l Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h für Pkw, Lkw bis 3,5 Tonnen und Motorräder; 80 km/h für Lkw ab 3,5 Tonnen und Busse
Von Dietrich Schröder
Frankfurt/Posen (MZV) Gestern wurde die neue polnische Autobahn zwischen Frankfurt (Oder) und Posen für den Verkehr freigegeben. Die MOZ machte gleich am ersten Tag eine Testfahrt.
"Ich bin ja schon fast in Posen. Da hätte ich ja noch eine Stunde länger schlafen können." Manfred Schneider, der für eine Spedition dreimal in der Woche in die westpolnische Messemetropole fährt, gönnte sich gestern Vormittag erstmal eine Pause auf einem der neuen Parkplätze.
Dem Mann aus Magdeburg ging es wie uns: Eine vierspurige Fahrbahn, zu der auf beiden Seiten nicht nur jeweils eine Standspur, sondern auch breite Sicherheitszonen für eventuelle Notfälle gehören, ergeben ein völlig neues Fahrgefühl durch das Nachbarland. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich über eine Landstraße quälen musste, die kurvenreich und voller tiefer Fahrspuren ist. Auch das Überholen der vielen Lkw geriet dort häufig zum Risiko, wussten doch die meisten deutschen Kraftfahrer nicht so recht, was die gestrichelten Linien am Fahrbahnrand zu bedeuten hatten.
Jetzt kommt es zwar östlich der Oder auch zu gegenseitigen Überholmanövern der Brummis - so versuchte ein polnischer Lkw einem Ukrainer gestern offenbar klar zu machen, das er in der Hackordnung auf der Piste weiter oben steht - aber man gewinnt das Gefühl von mehr Sicherheit. Und das, obwohl bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h die Landschaft schneller vorbeizieht als früher.
"Das neue Tor nach Deutschland ist eröffnet" und "Unser modernster Weg nach Europa" - mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen machen die Medien des Nachbarlandes ihre Berichte über den "Highway" auf. Die im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012 eröffnete Piste ist für Polen zweifellos ein gesellschaftliches Ereignis. Bei der Einweihungsparty, die am Mittwochabend mit einer großen Licht-Show an der Strecke begann, fanden sich sowohl der aktuelle Staatspräsident Bronislaw Komorowski als auch seine beiden Vorgänger Aleksander Kwasniewski und Lech Walesa ein.
Der Wojewode von Posen hatte tags zuvor gar eine Konferenz zu dem Thema einberufen, wie man die kürzere Verbindung nach Berlin (die Fahrzeit zwischen den beiden Metropolen reduziert sich von bisher viereinhalb bis fünf auf drei Stunden) für mehr Kontakte nutzen sollte.
Aber auch Rainer Schwarz, der Chef der Berliner Flughäfen, ist sich sicher, "dass die Autobahn noch mehr Polen als bisher in die deutsche Hauptstadt und zu Flügen von hier anregen wird". Schon jetzt tun dies jährlich rund eine Million Bewohner des Nachbarlandes.
Freilich fiel am ersten Betriebstag auch auf, dass zahlreiche Lkw-Fahrer der neuen Verbindung offenbar noch nicht trauen und weiter die Landstraße nutzen. Dies hängt aber auch damit zusammen, dass es an der neuen 105,9 Kilometer langen Strecke noch keine Tankstellen und Gaststätten gibt. "Die werden im Mai eröffnet, wenn dann auch Mautgebühr bezahlt werden muss", erklärte ein Sprecher der Betreibergesellschaft "Autostrada Wielkopolska". Einem Fahrer, dem gestern der Treibstoff ausgegangen war, musste deshalb ein Einsatzfahrzeug der Gesellschaft zu Hilfe eilen. Diese erreicht man über das Not-Telefon +4861 8383112.
Dafür gibt es an der Strecke schon jetzt auffällig viele Tierbrücken. Deren Bau war eine Auflage der EU, die Europäische Investitionsbank hatte einen Kredit über eine Milliarde Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt.
Hier und da wird auch noch gewerkelt, zum Beispiel gleich hinter der Grenze, wo noch Mittel-Leitplanken fehlen. Auch die Häuschen, in denen ab 21. Mai 2012 die Mautgebühr kassiert wird, sind noch nicht fertig. Ein Ausflug zum Beispiel in den nur noch 45 Minuten von der Grenze entfernten Kurort Lagow etwa (Abfahrt Torzym benutzen) ist jetzt aber kein Verkehrs-Abenteuer mehr.