"Angela Merkel ist eine wirklich starke Frau. Sie besitzt eine Menge Durchsetzungskraft und hat bereits so vielen geflüchteten Menschen geholfen", schwärmt die Kamerunerin Georgette Mbaha. Aus diesem Grund hat sie sich auch dazu entschlossen, ihren kleinen Sohn Christ Merkel zu nennen. In den Augen der Eberswalder Asylbewerberin tut die Bundeskanzlerin nämlich genau das, was auch Jesus Christus zu seinen Lebzeiten getan hat: Merkel engagiert sich für all die Menschen auf der Welt, die ihren Schutz und ihre Hilfe besonders benötigen.
Für den Vater des Kindes war die spezielle Namenswahl seiner Freundin kein Problem. Nur einer ihrer Bekannten äußerte Bedenken. "Eigentlich wollte ich meinem Sohn auch noch den Namen Angela geben", erzählt die 32-Jährige. Doch ihr Bekannter habe ihr dringend davon abgeraten. Er fand einen weiblichen Vornamen für einen kleinen Jungen unpassend - und so verzichtete sie darauf. Die Behörden hatten kein Problem mit dem ungewöhnlichen Namen, erzählt sie. "Für die Beamten war das völlig okay", sagt sie.
Georgette Mbaha und ihr französischsprachiger Dolmetscher Mazongama Quiqueto erzählen, dass es ebenso wie in Europa auch in den afrikanischen Staaten öfter einmal vorkomme, dass die Eltern ihr Kind nach einer besonders berühmten oder beliebten Person benennen. Das können dann Heilige sein, Sportler oder eben manchmal auch Politiker. Georgette Mbaha selbst hat zwar keine berühmte Namensvetterin, dafür eine, die sie sehr lieb hat. Sie heißt nach ihrer Mutter. Die Kamerunerin ist das Küken der Familie. Mit der Namenswahl drückte ihre Mutter die besonders enge Bindung zu ihr aus.
Georgette Mbaha redet ungern über die Gründe ihrer Flucht. Ihr Exmann sei in Kamerun gestorben. Sie wegen politischer und familiärer Probleme geflohen, berichtet sie. Laut dem Amnesty Report 2011 sollten zum Zeitpunkt von Georgette Mbahas Flucht Regierungskritiker mit Verboten, Strafen und Inhaftierungen mundtot gemacht werden.
Seit fast zwei Jahren lebt die junge Frau in Deutschland. Sie wurde in Dortmund registriert, dann kam sie nach Eisenhüttenstadt und von dort aus in einen Wohnverbund in Eberswalde.
Georgette Mbahas strapaziöse Flucht bis nach Deutschland dauerte ganze drei Jahre. Damals machte sie sich ohne Freunde oder Verwandte allein auf den weiten Weg. "Ich bin die erste aus meiner Familie, die es nach Europa geschafft hat." Zu Fuß oder im Auto ging es von Tchad über Niger, Mali, Algerien bis nach Marokko. Auf der Flucht hat die Kamerunerin viel Schreckliches erlebt - von Krieg bis zu der Durchquerung der Sahara, bei der bis auf drei Personen alle Menschen ihrer Gruppe starben. Um von Afrika nach Europa zu gelangen, musste die junge Frau in ein Schlauchboot steigen. Dort saß sie dicht gedrängt zwischen unzähligen anderen. Angst habe sie in dem Boot keine gehabt, berichtet sie. "Ich habe mich in Gottes Hände begeben und auf seine Hilfe vertraut."
Als man ihr nach drei Monaten in Spanien sagte, sie müsse wieder zurück in ihr Heimatland, entschloss sie sich nach Deutschland aufzubrechen. "Ich habe Angela Merkel in den Nachrichten gesehen und sie sehr für ihre Worte und Taten bewundert."
In Eberswalde hat sie ihren jetzigen Freund kennengelernt. Er ist ebenfalls aus Kamerun und habe sie angesprochen, weil sie so allein und traurig ausgesehen hätte. Seitdem sind die beiden ein Paar - und seit Kurzem zu Dritt.
Georgette Mbahas wartet seit zirka zwei Jahren auf die Anerkennung ihres Asylantrags. "Wenn ich die Papiere habe, möchte ich arbeiten", sagt sie. In welcher Branche sei nicht so wichtig. Vielleicht als Alten- oder Krankenpflegerin - doch Hauptsache sie habe einen Job. Den Deutschkurs, den sie wegen der Geburt ihres Sohnes kurz unterbrochen hat, will sie bald fortsetzen.
Doch momentan fordert Georgette Mbahas neugeborener Sohn Christ Merkel noch ihre ganze Aufmerksamkeit. Für ihre kleine Familie hat sie einen Weihnachtswunsch: "Ich möchte Angela Merkel persönlich kennenlernen."