Nach dem gewaltsamen Tod von vier Bewohnern in einem Potsdamer Wohnheim für Menschen mit Behinderungen sieht die Brandenburger Regierung bisher keinen Zusammenhang zu der Arbeit der tatverdächtigen Pflegekraft.
Die Kontrolle der Fachaufsicht am Tag vor der Tat sei „klar positiv“ verlaufen, sagte der Referatsleiter Pflegepolitik und Heimrecht im Gesundheitsministerium, Ulrich Wendte, am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags. „Von daher gibt es auch aus unserer Sicht überhaupt keine Anhaltspunkte, dass es Umstände in der Einrichtung gibt, die diese Tat verursacht oder auch nur begünstigt haben.“

51-jährige Pflegekraft festgenommen

In dem Wohnheim der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus waren am Mittwoch vergangener Woche vier Bewohner getötet und eine Bewohnerin schwer verletzt worden. Als Tatverdächtige wurde eine 51-jährige Pflegekraft festgenommen. Sie ist in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Nur einen Tag zuvor hatte die Aufsicht für unterstützende Wohnformen das Heim turnusmäßig geprüft.

Gedenkgottesdienst für die Opfer

Mit einem Gedenkgottesdienst wollen die Stadt Potsdam und das Oberlinhaus am Donnerstag an die Opfer erinnern. „Angesichts der traurigen und unfassbaren Ereignisse vom 28. April und der tiefen Verwurzelung des Oberlinhauses in unserer Stadt wollen wir den Potsdamerinnen und Potsdamern die Gelegenheit geben, gemeinsam zu trauern“, sagte Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Matthias Fichtmüller, Theologischer Vorstand des Oberlinhauses, sagte: „Gemeinsames Schweigen kann trösten.“ Zum Gedenken werden auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und der Bundesbeauftragte für Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, erwartet.
Zu dem Gottesdienst (18.00 Uhr) in der Nikolaikirche seien neben Angehörigen der Opfer und Bewohnern des Heims auch Potsdamer Bürger nach Anmeldung eingeladen, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Um 19.00 Uhr sollen zum Gedenken an die Opfer die Glocken aller Potsdamer Kirchen läuten. Der Besuch in der Kirche ist wegen der Corona-Einschränkungen auf 140 Plätze begrenzt. Die Anmeldung zum Gedenkgottesdienst ist über die Webseiten www.potsdam.de und www.oberlinhaus.de möglich. Vor der Nikolaikirche besteht die Möglichkeit, sich in ein Kondolenzbuch einzutragen. Der Gottesdienst wird auch per Livestream übertragen.
Der Referatsleiter für Pflegepolitik warnte davor, das Problem von Überlastung oder Gewalt in der Pflege im Zusammenhang mit der Tat zu thematisieren. „Wir wissen nicht, ob es irgendeinen Zusammenhang gibt zwischen der Arbeitssituation und diesem schrecklichen Geschehen“, sagte Wendte. Es sieht im Augenblick so aus, als gebe es keine Begründung innerhalb der Einrichtung dafür.“