In Brandenburg haben bislang Templin und Bad Saarow Kurkarten mit ÖPNV-Ticket für Gäste. Auf regionaler Ebene gibt es im Spreewald Bestrebungen für eine gemeinsame Karte. Nun forciert das Land dieses Thema und lässt eine Machbarkeitsstudie für eine "BrandenburgCard inklusive fahrpreislosem ÖPNV für Gäste im Reiseland Brandenburg" erarbeiten. Bis Mitte Juli läuft die Bewerbungsfrist für den Auftrag. Aus den Vergabeunterlagen der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB) geht hervor, dass Angebote bis zum Preis von 110 000 Euro zugelassen sind.
Kommentar: Ein großer Wurf
Die bis Ende 2020 zu erstellende Studie soll nach dem Willen der TMB die Entscheidungsgrundlage für Planung, Einführung und dauerhaften Betrieb einer solchen Gäste-Karte sein. Auch die technischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen werden ausgelotet. Neben einer Analyse von Vor- und Nachteilen diverser Ticket-Modelle in Europa und ihrer Übertragbarkeit auf die konkreten Bedingungen in der Mark soll auch untersucht werden, wie die Abgabe am besten erhoben werden könnte – als Zwangsabgabe für alle Übernachtungsgäste oder nur für Besucher jener Beherbergungsbetriebe, die freiwillig bei dem Vorhaben mitmachen.
Wie es in der Ausschreibung weiter heißt, gebe es bereits erste konzeptionelle Überlegungen, brandenburgweit oder in teilnehmenden Regionen eine Basiskarte einzuführen, die örtlich durch Zusatzmodule wie den kostenlosen Besuch von Kultureinrichtungen ergänzt werden könnte. Die TMB erhofft sich von der Karte einen positiven Effekt auf die Verkehrsmittelwahl zu Gunsten der Öffentlichen, da die Gäste Busse und Bahnen in einem für sie fremden Tarifsystem ohne Zugangshürden nutzen könnten.
Kommunen und Gastgeber hätten nach Einschätzung der Landes-Touristiker einen Wettbewerbsvorteil, da sie den Gästen einen Mehrwert bieten können. Die Verkehrsunternehmen wiederum würden von der höheren Auslastung profitieren. In ländlichen Gegenden könnten zusätzliche Nutzer außerdem zum Erhalt des Linienangebotes beitragen, so die Hoffnung der TMB.

Schwung für die SpreewaldCard

"Der Ansatz ist gut und richtig", sagt Lübbenaus parteiloser Bürgermeister Helmut Wenzel über die TMB-Initiative für eine BrandenburgCard. Er erhofft sich von der Ausschreibung außerdem den letzten nötigen Schwung für die SpreewaldCard, die eigentlich Anfang 2021 starten sollte.
Die Corona-Krise und Restzweifel bei einigen Akteuren dürften zu einer Verschiebung um ein Jahr führen. "Aber wir sind auf dem richtigen Weg", betont Wenzel. Die Kalkulation sehe vor, dass Kinder nichts und Erwachsene 60 Cent pro Übernachtung zahlen. Dafür sollen sie in einem Gebiet von Tropical Islands bis Cottbus freie Fahrt haben. Wichtig sei, dass das Konzept auch den Menschen vor Ort einen Mehrwert biete, also das Liniennetz stabilisiere oder sogar verbessere, ergänzt der Bürgermeister.

Eine Karte für den ganzen Schwarzwald


Die Konus-Gästekarte (kostenlose Nutzung des ÖPNV im Schwarzwald) steht für ein Verkehrskonzept für umweltfreundliche Mobilität von Touristen. Es wurde 2006 eingeführt und ermöglicht Besuchern in rund 150 Gemeinden die kostenlose Nutzung von Bussen und Bahnen. Der pauschalierte Anteil, den die Gemeinden an Konus aus der erhobenen Kurtaxe abführen, beträgt aktuell 42 Cent pro Übernachtung. In der Praxis drücken damit rund 9000 Gastgeber ihren Gästen bei der Ankunft ein Freifahrtticket für Busse und Bahnen in neun Verkehrsverbünden in die Hand. mat