Um das Zusammenleben von Wölfen und Weidetieren besser und vor allem sicherer zu machen, hat am Mittwoch in Eberswalde ein neues Bundeszentrum seine Arbeit aufgenommen. „Nicht nur der Wolf hat Schutz verdient, sondern auch Weidetiere haben Schutz verdient“, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) zur Eröffnung. Die Weiden sollten für Wölfe keine „gedeckten Tische“ sein.
In dem „Zentrum zur Lösungsfindung“ - so Klöckner - werden drei Vollzeitkräfte arbeiten und sollen die in den Bundesländern angewandten Herden-Schutzmaßnahmen wie Zäune und Hunde gesammelt und bewertet werden. Die Einrichtung wird sich mit der Verbesserung und Finanzierung von Schutzmethoden und der rechtliche Einstufung des Wolfes beschäftigen. Vor allem soll das Zentrum den Diaolog von Weidetierhaltern, Verbänden des Naturschutzes und der Öffentlichkeit fördern.

Der Wolf breitet sich aus

Seit der Jahrtausendwende ist der Wolf zurück in Deutschland und breitet sich stetig aus. 128 Rudel und 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzeltiere sind nach Daten des Bundesamtes für Naturschutz für das Monitoringjahr 2019/20 bestätigt. Im Jahr 2018/19 waren es noch 105 Rudel, 41 Paare und 12 Einzelgänger. Die meisten Rudel (47) leben in Brandenburg.
Immer wieder kommt es zu Wolfsangriffen auf Weidetiere - vor allem auf Ziegen und Schafe. Die Zahl verwundeter und getöteter Tiere erhöhte sich von 40 im Jahr 2006 auf rund 2900 im Jahr 2019, wie es aus dem Ministerium hieß. Besonders gefährdet seien ungeschützte Weidetiere. Daher fordern Bauern und Weidetierhalter seit langem, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern. Die jedoch sind in Deutschland streng geschützt; der Abschuss ist nur in Ausnahmefällen und nach vorheriger Genehmigung erlaubt.
An das neue Zentrum sollen sich Weidetierhalter laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), zu dem das Zentrum gehört, auch direkt mit ihren Fragen wenden können. Mit jeweils 300 000 Euro für die Jahre 2021 und 2022 wird die Einrichtung gefördert, die räumlich am Thünen Institut für Waldökosysteme angesiedelt ist.

Empfehlungen für Herdenschutz

Aus Sicht von Brandenburgs Agrar-Umweltminister Axel Vogel (Grüne) wird mit dem Zentrum eine dringend notwendige Einrichtung geschaffen, die Weidetierhaltern Empfehlungen für einen wolfssicheren Herdenschutz gibt. „Wir erwarten für die Zukunft, dass somit bundesweit einheitliche Kriterien für die Zucht, die Haltung und die Ausbildung von Herdenschutzhunden sowie für die Schulungen von Weidetierhaltern entwickelt werden.“ Brandenburg fördert die Vorsorge vor Übergriffen durch Wölfe wie Zäune. Auch Anschaffung und Ausbildung von Herden-Schutzhunden sowie die Futterkosten werden finanziert.
Der Deutsche Bauernverband begrüßte die Einrichtung des Zentrums, mahnte jedoch, es dürfe sich nicht nur auf Fragen des Zaunbaus und Herdenschutzes beschränken, sondern müsse auch die Regulierung des Wolfes mit einbeziehen. „Vor allem müssen Wölfe und Rudel, die wiederholt Weidetiere reißen, konsequent entnommen werden“, sagte Verbandspräsident Joachim Rukwied.
Die Weidetierhaltung werde in Deutschland dringend gebraucht, unterstrich die agrarpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Kirsten Tackmann. Die Rückkehr des Wolfes sei eine Belastung, mit der die Betroffenen nicht allein gelassen werden dürften.