Schon drei Wochen nach seiner Insolvenz hat das Frankfurter Unternehmen getgoods.de einen Käufer gefunden. Bereits am 4. Dezember sei das Geschäft von der Oberpfälzer Firma Conrad Electronic übernommen worden, sagte Christoph Möller, der Sprecher des getgoods.de-Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg. Der neue Besitzer betreibt Online-Shops verfügt über bundesweit 25 Verkaufsfilialen mit 1000 Mitarbeitern.
Fast alle der 190 Beschäftigten der Unternehmensgruppe, die vor allem Technikprodukte vertrieben hatte, werde vorerst übernommen, teilte getgoods.de mit. Über den Kaufpreis wurde nichts mitgeteilt. "Unser Ziel ist es, dass getgoods.de als Marke und als Unternehmen eigenständig bleibt", sagte Jörn Werner, Geschäftsführer von Conrad Electronic. In den kommenden Monaten solle nun ein tragfähiges und wachstumsorientiertes Geschäftsmodell erarbeitet werden, kündigte Werner an. Ob die Mitarbeiter langfristig aufatmen können, ist dabei noch nicht klar. Conrad Electronic werde "versuchen, so viele Arbeitsplätze wie irgend möglich zu erhalten", betonte Werner.
Für den Insolvenzverwalter geht die Hauptarbeit jetzt erst los. "Conrad Electronics übernimmt nur den Geschäftsbetrieb - also etwa die Online-Shops, die Mitarbeiter und das Lager", erklärt Insolvenzverwalter-Sprecher Möller. Nun müssen Gläubiger ihre Forderungen anmelden. Zu den Gläubigern zählen Möller zufolge unter anderem Lieferanten, aber auch Kunden, die Anzahlungen geleistet, aber nichts geliefert bekommen hätten. Anleihegläubiger müssten ihre Forderungen hingegen nach der Insolvenz gegen die getgoods AG richten. Gegen die Aktiengesellschaft habe jedoch noch kein Insolvenzverfahren begonnen.*
Auch Menschen, die eine Rückforderung geltend machen wollten, zählten dazu. Und darüber hinaus betreffe es auch all jene, die einen Garantieschaden hätten. Die bekannten Gläubiger werde der Insolvenzverwalter anschreiben, kündigte Möller an. Aber auch jeder andere, der Forderungen an die Firma habe, könne sich nun melden.
Zur Anmeldung ihrer Forderungen hat das Gericht eine Frist bis zum 9. Januar 2014 gesetzt. Danach prüft der Insolvenzverwalter, welche Forderungen berechtigt sind und welche nicht. Das dauert einige Monate, manchmal über ein Jahr. Anschließend erhalten die Gläubiger aus dem Kaufpreis einen Prozentsatz auf ihre Forderungen, die sogenannte Quote. Zum Schluss des Insolvenzverfahrens wickelt der Insolvenzverwalter die Unternehmen ab.
Der ehemalige Geschäftsführer von getgoods,de, Markus Rockstädt-Mies, begrüßte die Einigung. "Ich habe dafür gekämpft, dass der Standort Frankfurt (Oder) erhalten bleibt", sagte er. Er freue sich, dass "erst mal fast alle Mitarbeiter übernommen worden sind". Conrad sei ein Traditionsunternehmen, in das er großes Vertrauen setze. Die Übernahme sei wichtig für Frankfurt. "Man sollte das als Chance für die Stadt begreifen", sagte er.
*Anmerkung: In der ersten Version des Textes war davon die Rede, dass die Anleihegläubiger ihre Forderungen bereits jetzt geltend machen können. Diese können sich jedoch nur gegen die getgoods AG nach deren Insolvenz richten, nicht aber gegen die insolvente getgoods VertriebsGmbH, um die es in dem Artikel geht. Der Sprecher des Insolvenzverwalters hat seine Angaben dahingehend korrigiert.