Doch jetzt wurde bekannt, dass die Wahl zugunsten von Brandenburg/Havel gefallen ist und dass dabei politische Kontakte eine entscheidende Rolle gespielt haben sollen. Konkret geht es um eine Dienststelle des Auswärtigen Amtes, die die Visumsbearbeitung und andere Aufgaben übernehmen soll. Außer Brandenburg/Havel waren die Stadtoberhäupter von Eberswalde, Bernau und Frankfurt (Oder) aufgefordert worden, sich mit konkreten Immobilien und "weichen Faktoren" zu bewerben. Sie waren zugleich gebeten worden, nur im kleinen Kreis darüber zu reden.
Bernau bot S-Bahn-Nähe
"Ich bedauere die Entscheidung zugunsten von Brandenburg/Havel außerordentlich. Unsere Stadt hätte sicherlich Arbeitsplätze nötig", sagte der Bürgermeister von Bernau, André Stahl (Linke), am Freitag. Man sei bereits mit einem  Investor im Gespräch gewesen, der innerhalb von nur 30 Monaten einen Büroneubau am S-Bahnhof Friedenstal für das Amt errichten wollte.
Ähnlich groß ist die Enttäuschung in Eberswalde. Dort informierte Bürgermeister Friedhelm Boginski (FDP) die Stadtverordneten am Donnerstagabend sowohl darüber, dass ihre Stadt überhaupt mit im Rennen war, wie auch, dass man  leer ausgegangen ist. Der Fakt, dass innerhalb von nur 14 Tagen eine qualifizierte Bewerbung abgegeben werden sollte, erschien zahlreichen Abgeordneten jedoch äußerst "fragwürdig".
Frankfurt warb mit Europa-Uni
In Frankfurt (Oder) hatte man sich besonders wegen der dort ansässigen Europa-Universität, deren Studierende aus fast 200 Ländern kommen, gute Chancen ausgerechnet. "Die Entscheidung ist bedauerlich, wird aber nichts an unserer guten Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt ändern", sagte die Uni-Präsidentin Julia von Blumenthal. Das Institut für Konfliktmanagement der Hochschule berät Diplomaten etwa bei ihren Vermittlungsverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine.
Wie diese Zeitung erfuhr, sollen  Bundesaußenminister Heiko Maas wie auch Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (beide SPD) für Brandenburg/Havel votiert haben. Ein Maas-Mitarbeiter, der anonym bleiben will, berichtete uns zudem, dass aus Sicht vieler Betroffener "Brandenburg/Havel gefühlt näher an Berlin liegt" als die Städte im Osten Brandenburgs.