Ab diesem Sonntag gibt es eine aus Brandenburger Sicht erfreuliche Neuerung. Denn erstmals wird es Züge geben, die von Berlin über Frankfurt (Oder), das polnische Breslau und die tschechischen Städte Ostrava und Breclav in die österreichische Hauptstadt fahren.
Die ersten Züge mit Sitz-, Schlaf- und Liegewagen werden sich am Sonntagabend um 18.40 in Berlin beziehungsweise 22.10 Uhr in Wien in Bewegung setzen und ihre jeweiligen Ziele um 7 Uhr (Ankunft in Wien) beziehungsweise 9.30 Uhr (Ankunft am Berliner Hauptbahnhof) erreichen. Die Ticketpreise sind – wenn man einige Zeit im Voraus bucht – recht erschwinglich und liegen zwischen 29 Euro für Sitzplätze bis 129 Euro in der gehobenen Schlafkategorie.
Darüber hinaus gibt es weitere Kurswagen von Berlin nach Breslau, in die slowakische Hauptstadt Bratislava (dort ist man am nächsten Morgen um 5.53 Uhr), nach Budapest (8.35 Uhr) sowie ins polnische Krakau (5.46 Uhr) und nach Przemysl, das fast an der ukrainischen Grenze liegt (planmäßige Ankunft dort 8.57 Uhr). „Dieses Projekt ist dank unserer Kooperation mit den Staatsbahnen aus gleich fünf Ländern möglich – Deutschland, Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Private Eisenbahnunternehmen könnten so etwas nicht leisten“, sagte der Leiter des Fernverkehrsbetriebs der ÖBB, Kurt Bauer, am Donnerstag unserer Zeitung.
Natürlich seien die Züge, die unter dem Namen „Metropol“ fahren, weil sei die beiden größten deutschsprachigen Städte Berlin und Wien verbinden, ein Experiment, so Bauer. Dennoch sei man zuversichtlich, insbesondere durch die Zwischenaufenthalte – allein in Polen gibt es gleich sieben – eine attraktive Alternative zum Flugverkehr geschaffen zu haben. „Besonders aus der polnischen Metropolregion um Breslau  (dort hält der Zug um 23 Uhr) erhoffen wir uns zahlreiche Gäste“, erläuteert Bauer. Für mindestens ein Jahr seien die täglichen Verbindungen gesichert, dann werde man neu über die Wirtschaftlichkeit entscheiden.
Dafür, dass der kurze deutsche Streckenabschnitt über Frankfurt (Oder) und nicht über Cottbus verlaufe, hätten zwei Gründe den Ausschlag gegeben: Zum einen, weil es hier schon jahrelange Standards durch die Eurocity-Züge nach Warschau und russische Züge nach Moskau gäbe. Zum anderen, weil in Polen die parallel zur Oder laufende Strecke zwischen Rzepin, Zielona Góra und Breslau in den vergangenen Jahren modernisiert und elektrifiziert wurde.
„Mit diesem Nachtzug gibt es endlich wieder eine Alternative zu den letzten Abendflügen beziehungsweise zu den ersten Frühflügen von Berlin nach Wien, Budapest, Bratislava und Krakau und in die Gegenrichtung“, meint der Berliner Bahnunterstützer Joachim Holstein. Angesichts des gerade in Polen tagenden Weltklimagipfels sei dies ein gutes Signal.
Die Frankfurter Eheleute Michaela und Siegfried Schneider haben sich schon vor Wochen Tickets für das übernächste Wochenende nach Wien gebucht und wollen von dort aus weiter zu Freunden an der österreichisch-slowenischen Grenze fahren. „Mit nur einmal Umsteigen über Nacht ohne Auto dorthin zu kommen, ist doch sensationell“, freuen sie sich auf die Fahrt.
Im Berliner Hauptbahnhof will der grüne Europaabgeordnete und ehemalige Vorsitzende des Transportausschusses im EU-Parlament, Michael Cramer, den ersten Zug am Sonntagabend auf die Reise schicken. Auch im Bahnhof Frankfurt (Oder) ist eine kurze Begrüßungs-Aktion geplant.