Erst vor Kurzem hatte Bildungsminister Günter Baaske (SPD) mitgeteilt, dass rund 1500 brandenburgische Schüler im vergangenen Schuljahr ohne Abschluss von den Schulen abgegangen sind - also jeder Zwölfte. Die meisten dieser Abgänger haben erhebliche Lernschwierigkeiten und kamen aus Förderschulen mit den Schwerpunkten "Lernen" und "geistige Entwicklung". Sie haben zwar Abschlusszeugnisse bekommen. Allerdings sind diese Zeugnisse nicht gleichwertig mit der einfachen Berufsbildungsreife, dem niedrigsten Abschluss im Regelschulsystem, der nach neun Jahren vergeben wird. Die Förderschüler gelten daher nach zehn Schuljahren offiziell als Schüler ohne Abschluss.
"Unseren Schülern ist es hingegen sehr wohl möglich, einen Abschluss zu machen", stellt Rektorin Ruhnow klar. "Einige besuchen nach der sechsten Klasse auch das Gymnasium." Längst sei erwiesen, dass eine Störung in der emotionalen und sozialen Entwicklung zwar das Lernen beeinträchtigen kann, aber mit einer normalen, mitunter sogar überdurchschnittlich kreativen und technischen Begabung einhergeht.
Nachdem die aktuellen Zahlen aus dem Bildungsministerium bekannt geworden waren, hätten die Eltern einiger ihrer Schüler empört angerufen, berichtet die 46-Jährige. "Ihnen ist es wichtig, dass nicht alle Förderschulen über einen Kamm geschert werden.
In Brandenburg gibt es acht verschiedene Arten von Förderschulen. Dazu zählen die sogenannten "Schulen für Kranke" ebenso wie die Einrichtungen mit den Schwerpunkten "Lernen", "geistige Entwicklung", "Sprache", "Hören", "Sehen", "körperliche und motorische Entwicklung" und wie in der Pritzhagener Schule "emotionale und soziale Entwicklung". Lediglich Schüler mit den Förderschwerpunkten "Lernen" und "geistige Entwicklung" machen in der Regel keinen geltenden Abschluss, erläutert Heike Ruhnow.
Am Tornowsee bleiben die Kinder maximal bis zur sechsten Klasse. Mitunter können sie aber auch früher auf eine allgemeine Grundschule wechseln. Die Störungsbilder, die sie zeigen, sind unter anderem oppositionelles Verhalten, tiefgreifende soziale Entwicklungsstörungen, psychische Erkrankungen - auch nach Traumata durch Gewalt oder Missbrauch. Deshalb werden ihnen intensiver als in einer normalen Grundschule soziale Kompetenzen, Sicherheit, feste Strukturen und Wissen durch ein besonderes methodisches Vorgehen mit Konzentrationsbrücken vermittelt. Ruhnow ist der Meinung, dass die Förderung von großem Erfolg gekrönt ist. So hätte eine Abfrage ergeben, dass rund 80 Prozent der ehemaligen Schüler inzwischen eine Schulausbildung abgeschlossen haben.