Der Chef der Leitstelle informiert per Brief über die Engpässe. Bis zum kommenden Sonntag sei es demnach "nicht möglich, die Arbeitsplätze vollständig und vorgabegerecht zu besetzen", heißt es in dem offiziellen Schreiben an nachgeordnete Stellen in Frankfurt sowie in den Kreisen Oder-Spree und Märkisch-Oderland, die zum Einzugsbereich der Leitstelle gehören.
Es seien "Auswirkungen auf den Dienstbetrieb zu erwarten", teilt der Leiter mit. Und weiter: "Im Bereich der Notrufannahme kann es zur Verlängerung der Anrufannahmezeiten kommen." Im Klartext: Wer 112 anruft, muss damit rechnen, nicht durchzukommen.
In den Augen der Gewerkschaft Ver.di ein unhaltbarer Zustand. "Die Leitstelle muss 24 Stunden am Tag stets erreichbar sein", betont Goran Ihrig von der Ver.di-Fachgruppe Feuerwehr. "In Frankfurt kann offenbar bei Ausfällen nicht ausreichend auf Reserven zurückgegriffen werden." Jenes Gutachten, welches den Personalbedarf für die Leitstelle festlege, weise zudem Mängel auf. "Wir haben bereits auf diese Fehler aufmerksam gemacht, aber es ist nichts passiert", sagt Ihrig. Leidtragende seien auch die Beschäftigten, die einen hervorragenden Job machen, so der Gewerkschafter.
Tatsächlich seien derzeit zwölf von 28 Disponenten krank geschrieben, räumt Helmut Otto ein, Leiter des Amts für Brandschutz und Rettungswesen in Frankfurt. Eine "Ausnahmesituation" sei das, so viele Ausfälle könne man nicht mit Personal aus der Reserve abdecken. Otto widerspricht jedoch den Aussagen des Leitstellen-Chefs, wonach Engpässe beim Notruf zu erwarten seien. Dies sei "eine unglückliche Formulierung" gewesen. "Die Notrufannahme leidet nicht. Derzeit werden die Mitarbeiter lediglich von nachrangigen Routine-Aufgaben entlastet", versichert Helmut Otto. Dass es in der Leitstelle strukturelle Probleme gebe, bestreitet er. "Die Personalausstattung entspricht den gesetzlichen Mindestanforderungen." Mehr Leute seien mit Blick auf die Haushaltslage nicht möglich.
Aus den Landkreisen kommt Kritik an den Verantwortlichen in der Oderstadt. "Die Leitstelle ist chronisch unterfinanziert, weil Frankfurt quasi pleite ist", heißt es von hoher Stelle hinter vorgehaltener Hand. Mit seinem Brief habe der Chef der Leitstelle "die weiße Fahne gehisst", ergänzt ein Feuerwehrmann, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Es gebe viele Probleme mit der Leitstelle, die man in der Praxis spüre. Personalmangel sei nur eines davon. Auch bei der Abwicklung von Einsätzen gebe es Defizite. "Da wird teilweise schlecht kommuniziert."