Wahrscheinlich hat es auch deshalb drei Jahre gedauert, bis ein Antrag zur Strafverfolgung, der schon im Jahr 2012 von ukrainischen Behörden gestellt worden war, jetzt in Gorzów beziehungsweise Stettin vor Gericht kommt. Konkret geht es um zwölf junge Ukrainerinnen und Weißrussinnen, die in den Klubs "Milenium" in Küstrin und "Simone" in Osinów Dolny (nahe dem Grenzübergang Hohenwutzen) seit 2009 zum Sex vorwiegend mit deutschen Freiern gezwungen worden sein sollen. Die Betreiber der Etablissements bestreiten dies, da die Frauen offiziell als Reinigungskräfte oder Hotelangestellte bei den polnischen Behörden gemeldet waren.
Laut der Zeitung "Gazeta Wyborcza" müssen sich die Chefs der Klubs sowie zwei Ukrainer, die die Frauen angeworben haben sollen, jetzt aber auch wegen Menschenhandels verantworten. Die Frauen im Alter von 21 bis 29 Jahren seien zunächst tatsächlich als Tänzerinnen, Erntehelfer oder eben Reinigungskräfte angeworben worden. Erst vor Ort sei ihnen dann unter Druck ihre wahre Bestimmung offenbart worden. Die Rede ist von 60 Euro, die die Frauen pro Freier kassierten, mindestens die Hälfte des Geldes mussten sie an die Bordellbetreiber abgeben.
Der 58-jährige Angeklagte Lech P., dem der inzwischen geschlossene "Milenium"-Klub am Küstriner Ortsausgang in Richtung Gorzów gehörte (inzwischen betreibt er einen anderen Klub) bestreitet dies. Beim Verhör durch die Staatsanwaltschaft habe er zwar eingeräumt, seit Jahren Osteuropäerinnen zu beschäftigen. Aber: "Was die Frauen außerhalb ihrer Arbeitszeit tun, kontrolliere ich nicht. Da können sie machen, was sie wollen", zitiert ihn die Zeitung.
Der Prozess gegen den auf freiem Fuß befindlichen P. soll im November am Bezirksgericht in Gorzów (Landsberg) beginnen. Sein Verteidiger soll dem Gericht bereits den Deal unterbreitet haben, dass P. eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung akzeptieren würde, wenn ihm dadurch die Verhandlung erspart bliebe.
Dass es seit der Übermittlung der Untersuchungsakten aus der Ukraine drei Jahre bis zur Anklage dauerte, wird von der Staatsanwaltschaft unter anderem mit der aufwendigen Übersetzung des Materials ins Polnische begründet. Einige der Frauen sollen freilich inzwischen von ihren ursprünglich belastenden Aussagen abgerückt sein, weil von den Zuhältern Druck auf sie ausgeübt wurde.