Die polnische Regierung ist mit dem Ausbau der gemeinsamen Eisenbahnverbindungen auf deutscher Seite der Grenze unzufrieden. Das machte der Botschafter des Nachbarlandes, Marek Prawda, auf dem Bundeskongress der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Frankfurt (Oder) in ungewohnt offener Weise deutlich.
Prawda kritisierte insbesondere, dass die Verbindungen zwischen Berlin und polnischen Großstädten wie Breslau und Stettin aus Sicht der Deutschen Bahn offenbar für unwirtschaftlich gehalten werden. Die Fahrzeit auf der 329 Kilometer langen Strecke von der deutschen Hauptstadt nach Breslau beträgt derzeit fast sechs Stunden, mehr als doppelt so viel wie vor dem Zweiten Weltkrieg. „Es findet sich in Deutschland aber immer irgendeine Strecke zwischen Bochum und Wattenscheid, die stattdessen erneuert werden muss“, sagte der Botschafter in polemischer Weise. Wenn man darüber hinaus noch in Betracht ziehe, dass Polen seinen Teil dieser Strecke inzwischen für eine Geschwindigkeit bis zu 160 Stundenkilometern ausgebaut habe, deutsche Abschnitte aber noch nicht einmal elektrifiziert seien, „kann man fast schon von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten sprechen“.
Auf der Strecke zwischen Berlin und Stettin bildet ein nur knapp 40 Kilometer langer nicht elektrifizierter Abschnitt in der Uckermark seit Jahren ein Hindernis. Weil die meisten Züge deshalb nicht durchfahren können, müssen die Fahrgäste in Angermünde umsteigen.
Auch Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck hatte zum Auftakt des Kongresses von den Verkehrsverbindungen als „wichtigen Baustellen“ gesprochen. Die Regierungen der Bundesrepublik und Polens hatten im Juni aus Anlass des 20. Jahrestages der Unterzeichnung des „Vertrages über gute Nachbaschaft“ ein Arbeitsprogramm vereinbart. Darin wird die deutliche Reduzierung der Fahrtzeiten auf den Strecken nach Breslau und Stettin „ab Ende 2011“ als ein Ziel genannt. Bisher ist jedoch nicht erkennbar, dass dieses auch verwirklicht wird.
Auf dem Kongress in Frankfurt und Slubice trafen sich am Wochenende Vertreter von mehr als 50 regionalen deutschen Freundschaftsgesellschaften mit Polen. Bei den Beratungen standen die Kontakte in den grenznahen Regionen im Vordergrund. Unter anderem wurde auch über Wege zur Verbesserung des Polnisch-Unterrichts an deutschen Schulen gesprochen.