Der Nagel, den Jörg Steinbach schmiedet, ist etwas krumm und ohne richtigen Kopf. Aber immerhin hat sich Brandenburgs Wirtschaftsminister ohne Zaudern dazu bereit erklärt, vor den Schülern der Kleinmachnower Waldorfschule den schweren Hammer und das heiße Eisen in die Hand zu nehmen. Eine Pressereise zum Thema Kunsthandwerk führte ihn in die Schulwerkstatt, wo Metallbaumeister Fritz Kasseck mit Schülern schmiedet.
Steinbach ist gut vorbereitet und hat alle Zahlen zum Thema Kunsthandwerk parat. Im letzten Herbst, als die Stelle des Wirtschaftsministers frei wurde, zauberte Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) den damals noch parteilosen Präsidenten der Cottbuser Universität als Nachfolger aus dem Hut. Die Befürchtung, dass der Wissenschaftler bei "einfachen" Handwerkern nicht ankommt, bewahrheitete sich nicht. Manchmal ist er mit ihnen beim Du, dann wieder beim Sie. Barrieren hat Steinbach nicht aus seiner Professorenzeit mitgebracht.
Während der 27-jährige Schmied von den Schwierigkeiten, im Speckgürtel Gewerbeflächen zu finden, berichtet, sitzt der Minister in der Ecke und studiert sein Handy. Er erweckt den Eindruck eines Getriebenen, der viele Dinge gleichzeitig möchte, mehr als nur das Kunsthandwerk an diesem Tag bewerben.
Danach befragt, was er in der kurzen Amtszeit bewirkt hat, beginnt der Berliner den Satz mit einem "Leider". Leider liegen seine Erfolge bisher nur in der Lausitz. Es gelang ihm, die Zusagen für die Ansiedlung zweier hochkarätiger Forschungsinstitute zu sichern. Außerdem hat er in den Verhandlungen der Kohlekommission in der letzten Nachtsitzung mit seiner Idee, am Kraftwerk Jänschwalde eine innovative Speichertechnologie zu erproben, vielleicht entscheidend zum Erhalt des Standortes beigetragen.
Vom "Winterkönig" ist die Rede
Steinbach würde gern noch etwas in anderen Regionen bewirken, betont er. Er habe auf allen Gebieten seines Hauses Ideen. Das schätzt man auch in den Kammern an ihm. Aber dann folgt dort gleich der Hinweis, dass die Ministerien fünf Monate vor der Landtagswahl in eine Art Starre gefallen sind und abwarten, wie die Karten neu gemischt werden.
Steinbachs Verhältnis zur eigenen Verwaltung ist gespannt, weil er mehr will, als die Beamten jetzt zu liefern bereit sind. Für Verärgerung sorgte, dass er sich nicht an die Vorlagen hielt, mit Zahlen operierte, die nicht den langen Abstimmungsprozess mit allen Beteiligten durchlaufen haben und damit Extraarbeit bescherte. Vom "Winterkönig" ist in Anspielung auf Friedrich V. von der Pfalz, der ein knappes Jahr König von Böhmen war, die Rede. Auch in anderen Häusern ist man nicht begeistert, dass der Neue sich nicht an Ressortgrenzen hält. Die Opposition hingegen schätzt ihn als geradlinig, fleißig und geradeheraus. Vielleicht hängt es auch von ihr ab, ob der Seiteneinsteiger nach der Wahl eine Zukunft in der Politik hat.

Zur Person

Jörg Steinbach wurde 1956 in Berlin geboren. Er studierte Chemie an der Technischen Universität und war seit Mitte der 80er als Manager beim Pharmakonzern Schering tätig. 1996 kehrte er an die TU zurück und wurde 2010 ihr Präsident. 2014 wurde er nach der Fusion der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus mit der Senftenberger Fachhochschule Präsident der BTU. Seit 19. September 2018 ist er Minister.