Derzeit hinkt das Land Brandenburg bei der im Kreislaufwirtschaftsgesetz geforderten "hochwertigen Verwertung" von Garten- und Küchenabfällen deutlich hinterher. Nach einer Übersicht von Günter Hälsig, Abteilungsleiter im Potsdamer Umweltministerium, liegt Brandenburg auf dem letzten Platz. Während im Bundesschnitt pro Einwohner und Jahr 51 Kilo in der Biotonne landen, sind es in Brandenburg gerade einmal 2,5 Kilogramm, besagen Zahlen von 2010. Bislang stehen solche Tonnen in der Mark auch nur in einigen Städten, zum Beispiel Frankfurt, und wenigen Regionen. Oder-Spree hatte sie bereits, hat sie aber wieder abgeschafft. Potsdam hat vor Kurzem ein Pilotprojekt in einem Gebiet mit 6000 Einwohnern gestartet, "mit hohem Aufwand", wie bemerkt wurde. Von 400 Entsorgungsträgern bundesweit hätten 76 noch keine Biotonne, 13 davon in Brandenburg, so Hälsig.
Eine gut funktionierende Entsorgung von Grünabfall sowie die bislang praktizierte mechanisch-biologische Abfallbehandlung würden vom Bund nicht als hochwertige Verwertung anerkannt. Und die von fast drei Vierteln der Märker praktizierte Kompostierung sei im Bundesministerium "negativ belegt", bestätigte Hälsig. Allerdings sei es auch erklärtes Ziel in Brandenburg, den Anteil von Bioabfall im Restmüll zu senken. Mindestens freiwillige Systeme sollten in dicht besiedelten Gebieten eingeführt werden. Noch fehlen indes im Land Anlagen, die solche Abfälle verwerten dürfen.
Angela Friesse hielt es für fraglich, ob die Biotonne im kommunalpolitischen Raum durchsetzbar ist. Sie erwarte in ihrem Bereich zugleich "massive Widerstände" von Bürgern. Selbst der Abteilungsleiter im Ministerium hegt Zweifel: "Es wäre nur schwer zu vermitteln, wenn in Gegenden, in denen kein Bus mehr fährt, Fahrzeuge die Biotonnen abholen."