"Ich habe Angst vor dem Einschlafen und wache schreiend auf, weil ich an die Geschehnisse denken muss", erklärte sie stockend und mit leiser Stimme als Zeugin vor dem Frankfurter Landgericht. Unter der Situation würde auch ihre Familie leiden, betonte die junge Mutter.
Sie sei in psychologischer Behandlung, aber es gehe ihr nach wie vor "gar nicht gut". "Tagsüber habe ich oft Panikattacken und kann mich schlecht konzentrieren. Außerdem plagt mich Verfolgungswahn." Dieser habe sich verstärkt, nachdem jüngst Beteiligte der Gewalttaten aus der U-Haft entlassen worden seien. Sobald es dunkel ist, verlasse sie ihre Wohnung nicht mehr. Ihre Anwältin Katja Isenberg ergänzte am Rande der Verhandlung, dass auch der Aufenthalt in dieser Wohnung für ihre Mandantin belastend sei. Es handele sich um einen der Tatorte. Einen Umzug könne sie sich nicht leisten.
Drei Frauen und drei Männer waren am 7. Januar dabei, als die 33-Jährige aus nichtigem Anlass über Stunden gequält wurde. Derzeit stehen die zwei Haupttäterinnen vor Gericht. Das Opfer beschrieb, wie die Frauen sie schlugen, ihre Haare anzündeten und abrasierten, sie mit Pfefferspray besprühten und ihr zwangsweise Drogen einflößten. Schließlich hätten sie sie genötigt, mit ihnen an die Oder zu gehen. Dort sei sie in den eiskalten Fluss geschubst worden. "Ich bin abgetrieben. Dann habe ich an der Spundwand die letzte Leiter gesehen. Mir war klar: Die muss ich kriegen." So konnte sie sich selbst retten.
Für Unverständnis unter Prozessbeteiligten sorgte am Freitag eine Erklärung des Anwalts Denis Matthies, wonach diese und ähnliche Taten zunehmen und damit zeigen würden, "dass in Frankfurt viel verkehrt läuft". Es gebe viele perspektivlose Jugendliche, "die nicht wissen, was sie anfangen sollen". Katja Isenberg findet: "Die zunehmende Verrohung ist ein Problem der ganzen Gesellschaft, nicht der Stadt Frankfurt."