Der 56 Jahre Forensiker ist Chefarzt im Maßregelvollzug Brandenburg/Havel, wo Jan G. seit den Taten vom 28. Februar dieses Jahres untergebracht ist. Der Zeuge schilderte, dass er von Anfang an Zweifel an jener Diagnose gehabt habe, die Jahre zuvor gestellt worden war. „Das hat uns nicht überzeugt“, sagte er.
Es folgten Tests, zwei Medikamente wurden abgesetzt. Letzteres sei folgenlos geblieben. Fazit des Psychiaters: „Jan G. ist ein körperlich gesunder Mensch.“ Er bekomme im Maßregelvollzug nach wie vor keine Medikamente. Die dortige Diagnostik habe lediglich ergeben, dass der Angeklagte ein Psychopath sei, eine dementsprechende Persönlichkeitsstörung habe. Bei einem Psychopathie-Standardtest habe Jan G. 40 von 40 möglichen Punkten erreicht, berichtete der Zeuge. „Wir haben bei ihm ein völliges Fehlen von Mitgefühl festgestellt. Er ist eiskalt.“ Wenn er für sich etwas erreichen will, könne er allerdings auch höflich und charmant auftreten. Darüber hinaus sei er intelligent und gut strukturiert.
Wie es unter anderem im Klinikum Frankfurt-Markendorf vor zirka zwei Jahren zu der offensichtlichen Fehldiagnose samt Fehlbehandlung kommen konnte, vermochte der Zeuge nicht zu sagen. Aber Jan G. selbst lieferte einen möglichen Erklärungsansatz: „Sie haben zu mir gesagt, ich soll eine Schizophrenie eingestehen, dann werde ich mit einer Depotspritze im Gepäck aus dem Krankenhaus entlassen“, sagte der 25-Jährige.