Brandenburg will die Lehrerausbildung reformieren, um Neulinge schneller an die Schulen bringen zu können und Studenten aus anderen Fächern einen Umstieg auf das Lehramt zu erleichtern. In einer Anhörung vor dem Bildungsausschuss des Landtags waren sich am Donnerstag Experten und Abgeordnete einig, dass das Anliegen im Kampf gegen den Lehrermangel richtig ist. Die konkrete Umsetzung birgt jedoch zahlreiche Risiken, wie auch klar wurde.
Manche Hürden erscheinen gar schier unüberwindlich, wie etwa Ausbildungsexperten der Universität Potsdam mit Verweis auf Vorgaben der Kultusministerkonferenz darlegten. Vorgeschrieben sei für den Lehrerabschluss eine bestimmte Zahl von Leistungspunkten, die etwa ein zur Pädagogik wechselnder Chemie-Student kaum mehr erreichen könne, betonte Andreas Borowski. „Fachliche Standards sind nicht verhandelbar“, ergänzte er. Eine detaillierte Bewertung der Ministeriumspläne sei indes noch gar nicht möglich, da diese bislang lediglich „schwammig“ formuliert seien.
Borowskis Uni-Kollege Ulrich Kortenkamp warnte davor, „die klassische Lehrerausbildung zu kannibalisieren“, indem man großzügig Menschen mit anderen Abschlüssen eingliedert. Er verwies außerdem darauf, dass mit großem Aufwand Studienordnungen geändert werden müssten, wenn Ausbildungsgänge für Studenten aus anderen Fächern geöffnet werden sollen. Kortenkamp äußerte jedoch Verständnis dafür, jetzt „ein Gesetz für den Notfall“ zu machen.
Auf Kritik des Pädagogenverbands stößt die Verkürzung des Referendariats von 18 auf zwölf Monate. Sprecher Alexander Lipp verwies auf Qualitätseinbußen und erinnerte daran, dass Sachsen jüngst eine solche Verkürzung wieder rückgängig gemacht habe.