Das Gerichtsverfahren zur Wiedererlangung seiner Mitgliedsrechte in der Partei werde er aber weiterverfolgen, teilte Kalbitz auf Anfrage mit. Der Rechtsaußen-Politiker kämpft derzeit vor Gericht gegen die Annullierung seiner Mitgliedschaft in der AfD. Auswirkungen seines endgültigen Rücktritts als Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzender auf den Rechtsstreit um seine Partei-Mitgliedschaft erwartet Andreas Kalbitz einer Fraktionsmitteilung zufolge nicht. Der Verhandlung vor dem Landgericht Berlin am Freitag sehe er sehr zuversichtlich entgegen, sagte Kalbitz am Dienstag laut einer Mitteilung seiner Fraktion. Mit seiner Entscheidung, den Fraktionsvorsitz endgültig aufzugeben, habe er erreichen wollen, dass die Fraktion wieder in ruhiges Fahrwasser gerate, betonte er der Mitteilung zufolge.
Sein Amt als Fraktionsvorsitzender in Potsdam wollte Kalbitz eigentlich nur ruhen lassen - bis zur Entscheidung des Gerichts. Solange sollte der Parlamentarische Geschäftsführer, Dennis Hohloch, den Vorsitz übernehmen. Am Dienstag sorgte dann ein Krankenhausaufenthalt Hohlochs in der Partei für erhebliche Unruhe.
In der Fraktion und in der Partei stehen einige noch hinter Kalbitz, allerdings gibt es auch Kritik an seinem Auftreten und seinem Führungsstil in der Vergangenheit: Mit den Worten „Andreas, bitte geh!“, schrieb der Mitarbeiter eines Brandenburger Landtagsabgeordneten die Geschehnisse auf Facebook. Den offenen Brief des AfD-Mitglieds kommentierte der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christian Loose mit den Worten, Kalbitz' innerparteiliche Eskapaden „sind eine Belastung für die Einheit der Partei“.
Über einen Eilantrag von Kalbitz gegen die Annullierung seiner Mitgliedschaft in der AfD soll am 21. August vor dem Berliner Landgericht verhandelt werden. Der AfD-Bundesvorstand hatte seine Mitgliedschaft im Mai mit knapper Mehrheit für nichtig erklärt.
Als Grund für den Beschluss gab der Vorstand an, dass Kalbitz bei seinem Eintritt in die Partei 2013 eine frühere Mitgliedschaft in der inzwischen verbotenen rechtsextremen „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) und bei den Republikanern zwischen Ende 1993 und Anfang 1994 nicht angegeben habe. Diesen Beschluss hatte das AfD-Bundesschiedsgericht Ende Juli bestätigt. Neben Thüringens Landeschef Björn Höcke galt Kalbitz zuletzt als wichtigster Vertreter der rechtsnationalen Strömung in der Partei.
Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski, erklärte, er sei erleichtert, „dass sich das Buch Kalbitz nun endgültig schließt“. Kalbitz habe der AfD „massiv geschadet“, sagte Pazderski, der Kalbitz, Höcke und andere Führungspersonen des vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Bestrebung eingestuften „Flügels“ immer wieder kritisiert hatte. Offiziell hat sich der als informelles Netzwerk organisierte „Flügel“ inzwischen aufgelöst.