Der neue Südpankepark, nur einen Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt, wirkt noch wie ein Geheimtipp. Dabei könnten gehetzte Großstädter in der idyllischen Grünanlage im Schatten der neuen Bundesnachrichtenzentrale in der Mittagspause gut dem Staub und Lärm  entfliehen. Statt Auto-Getöse hört man  plötzlich die Vögel zwitschern. Ein paar Enten, die es sich im Schilf der renaturierten Panke gemütlich gemacht haben, schauen neugierig auf die seltenen Besucher.
Dabei lädt der neue Uferweg nördlich der Invaliden- und westlich der Chausseestraße zum Promenieren und Radeln ein. Die Panke entspringt in Bernau und mündet in Berlin-Mitte in die Spree. 20 von ihren 30 Kilometern entfallen auf Berliner Stadtgebiet. Während in Pankow oder Wedding sowie in weiten Teilen Brandenburgs das Flüsschen oberirdisch sprudelt, wurde die Panke in der historischen Stadtmitte in den vergangenen 200 Jahren begradigt, in Stein- und Betonbetten oder in unterirdische Röhren verlegt. Die einstige Wasserunterführung unter der Chausseestraße wurde zu Mauerzeiten sogar extra zerstört, damit niemand durch die Rohre fliehen konnte. Erst seit zehn Jahren fließt das Wasser auch dort wieder.
Und so verschwindet der offene Bach auch hinter dem neuen Park plötzlich wieder in einen künstlichen Kanal. Wer dem Lauf der Panke folgen will, muss google maps nutzen.  Doch Bundeswehrkrankenhaus, Bundesverkehrsministerium und Naturkundemuseum versperren  den Weg.
Um den Flusslauf wieder an die Erdoberfläche zu holen und einen weiteren Grünzug bis zum Invalidenpark herzustellen, müssen nicht Zäune und Mauern abgerissen, sondern auch die Topografie leicht verändert werden, heißt es aus der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Für diese weitere Baumaßnahme wurde vor wenigen Tagen der Startschuss gegeben. Laut Planungen sollen in dem zweiten Bauabschnitt weitere rund 700 Meter Panke renaturiert werden. Der Hauptweg erhält eine steinerne Uferkante entlang des offenen Gewässers. „Die gegenüberliegende, naturnah ausgeformte Uferseite wird Spiel- und Liegewiesen und weiche Übergänge ins Wasser bieten“, heißt es in der Planungsbeschreibung. Gleichzeitig entsteht ein etwa 2,9 Hektar großer Park als Teil eines zusammenhängenden Grünzuges zwischen dem Invalidenpark und dem Südpankepark im Norden.
Der erste Bauabschnitt für die Panke in Mitte wurde schon zwischen 2010 und 2012 realisiert. Weil direkt daneben ewig am neuen BND-Hochsicherheitstakt gewerkelt wurde, könne jetzt erst mit dem zweiten begonnen werden, heißt es. Nach der Fertigstellung – voraussichtlich 2020 – wird der dann 20 Kilometer lange Grünzug das historische Berliner Stadtzentrum mit dem offen Bach im Berliner Norden verbinden. Aber auch in Bernau werden seit 2016 Gräben und Auen angelegt, damit die Panke wieder „natürlich“ fließen kann.
Damit sich in ihr künftig wieder Fische, Frösche und Biber wohl fühlen, sollen in das Panke-Projekt insgesamt 27,7 Millionen Euro fließen. Im 19. Jahrhundert badeten die Berliner sogar in dem Fluss. Doch als sich mit der Industrialisierung immer mehr Fabriken am Ufer niederließen und ihre Abwässer in den Fluss gossen, wurde aus ihm die „Stinkepanke.“
Die alten Fabriken sind in Mitte heute teuren Apartmenthäusern gewichen. Erst hinter der Charité taucht die Südpanke wieder kurzzeitig auf, bevor sie aus einer alten Mauer am Schiffbauerdamm ganz unprätentiös in die Spree plätschert.