"Der Migrationsdruck aus Osteuropa ist anhaltend hoch", sagt Maik Gauer, Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin. Von Januar bis April wurden an der deutsch-polnischen Grenze 685 illegale Einreisen registriert - ein Anstieg um 250 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Schleuser hätten derzeit Hochkonjunktur, so Gauer. "Die A12 ist der Schwerpunkt."
Angesichts der Entwicklung wurde eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei für Kontrollen in die Grenzregion abkommandiert. "Unsere Präsenz hat sich dort spürbar erhöht", betont Gauer. Zudem sei die Kooperation mit dem polnischen Grenzschutz intensiviert worden. In den ersten vier Monaten des Jahres nahmen die Beamten insgesamt 129 Schleuser fest.
Viele Flüchtlinge, zumeist Familien, würden von Schleusern in Autos und Zügen über die Grenze gebracht, aber auch in Slubice abgesetzt, von wo aus sie die Oder-Brücke überquerten, heißt es in der Bundespolizeiinspektion Frankfurt (Oder). "Die Geschleusten sind Opfer von gut organisierten Banden, die ihre Notlage ausnutzen, um Profit zu erzielen", sagt Gauer. Derzeit würden größere Verfahren bei den Staatsanwaltschaften geführt, um auch Hintermänner zu ermitteln. Bislang wurden vor allem Fahrer gefasst. Pro Schleusung würden nach deren Aussagen zwischen 100 und 500 Euro von den Flüchtlingen verlangt.
84 Prozent der nach Brandenburg illegal eingereisten Menschen sind laut Polizeistatistik russische Staatsangehörige. Das für die folgenden Asylverfahren zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) berichtet, dass unter dieser Gruppe fast nur Tschetschenen und Flüchtlinge aus anderen Nordkaukasus-Republiken seien.
Hauptursache für das Verlassen der Heimat sei die "angespannte Lage" in der dortigen Krisenregion, heißt es in einer aktuellen Einschätzung des BAMF. Es müsse weiterhin mit "schweren Menschenrechtsverletzungen sowie einer zunehmenden Islamisierung" gerechnet werden. Der Reiseweg führe oft über Polen, Zielländer seien Deutschland, Österreich und Frankreich.
Nach Erkenntnissen der Bundespolizei hat die Mehrheit der gestoppten Flüchtlinge in Polen bereits einen Asylantrag gesellt. Dorthin müssen sie nach einem EU-Abkommen zurückgebracht werden. Viele sind derzeit in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt untergebracht. Die dortigen räumlichen Verhältnisse werden von Flüchtlingsinitiativen seit Monaten kritisiert.