Sie sind auf dem Heimweg. Die beiden uckermärkischen Schreiadler Marta und Ulf haben ihren Winterurlaub in Afrika beendet. Ulf ist als erster gestartet. Schon am 15. Februar hat er sich auf den Weg gemacht. Sein Weibchen Marta folgte sechs Tage später, am vergangenen Sonnabend ist sie aufgebrochen.
Unsere Zeitung hatte den Weg der beiden Schreiadler, die einen Funksender tragen, im Herbst auf ihrem Zug in das Winterquartier verfolgt. Etwa zehn Wochen waren die Tiere unterwegs - von der Uckermark in der Nähe von Schwedt bis nach Sambia und in den Kongo.
Doch dort sind sie nicht geblieben. Schreiadler ziehen in ihren Überwinterungsgebieten dem Regen hinterher - wo es feucht ist, gibt es auch reichlich Nahrung. Schreiadler fressen unter anderem Termiten und ernähren sich von Vogeljungen der Webervögel. Marta ist in Afrika in einem ziemlich großen Gebiet unterwegs gewesen, berichtet Greifvogel-Forscher Prof. Bernd Ulrich Meyburg, der gemeinsam mit seiner Frau Christiane die Daten der Funksender auswertet. Das Schreiadlerweibchen flog zunächst von Sambia nach Simbabwe und pendelte zwischen Nordwest-Simbabwe, Swasiland und Südafrika. Ihr Überwinterungsgebiet hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von 1185 Kilometern - das entspricht etwa der Ausdehnung Frankreichs von der belgischen bis zur spanischen Grenze. Den südlichsten Punkt ihrer Reise erreichte sie am 23. Januar. Er liegt in Südafrika.
Ulf hingegen orientierte sich eher westwärts. Er flog zunächst in den südöstlichen Kongo. Ende November verließ er den Kongo und zog weiter nach Sambia und in den sogenannten Caprivi-Zipfel im Nordosten Namibias. Das ist ein etwa 450 Kilometer langer Landstreifen, benannt nach dem deutschen Reichskanzler Leo von Caprivi, 1890 zum Nachfolger Otto von Bismarcks bestimmt. Caprivi spielte ein Rolle im Schacher zwischen Deutschen und Briten um Kolonien in Afrika. Der Landstreifen gehörte einst zu Deutsch-Südwestafrika. Allerdings hat die namibische Regierung 2013 die Bezeichnung "Caprivi" für die Verwaltungsregion getilgt. Sie soll jetzt Sambesi heißen.
Bei den Touristen wird sich der alte Name vermutlich noch lange halten. Besucher kommen zahlreich hierher. Die Gegend gilt als ein Naturparadies - durchzogen von großen Elefantenherden, mit mehreren Natur- und Wildschutzgebieten. Bis Anfang Januar hat sich Ulf dort und im nordöstlichen Botswana aufgehalten. Vom 5. Januar bis Mitte Februar war das Männchen im westlichen Botswana und in Nordost-Namibia. Er suchte sich kleinere Überwinterungsregionen aus als Marta. Die Schreiadler sind in Afrika übrigens keine Einzelgänger, sie werden oft in großen Gruppen gesichtet.
Am 15. Februar schließlich brach Ulf Richtung Uckermark auf und zog zügig nach Nordosten über Sambia in Richtung der Südspitze des Tanganjika-Sees ab. Etwa sechs Wochen werden die beiden Adler für die Rückreise brauchen. Die Route ähnelt in der Regel dem Hinflug. Meist fliegen die Tiere aber nicht durch den Sudan, wie auf der Hinreise, sondern durch Äthiopien und Eritrea, in der Nähe der Küste des Roten Meeres entlang. Der Abreisetermin von Marta und Ulf liegt im Bereich des Üblichen. Über 12000 Kilometer steuern sie ihren Horst in der Uckermark an, geleitet von Erfahrung und einem phantastischen Orientierungssinn. Übrigens ist es das gemeinsame Heim, das ein Schreiadlerpaar zusammenhält. Sie finden in der Regel immer wieder zueinander, weil sie dasselbe Ziel haben.