Ist Schwedt ausländerfeindlich? Rechtsanwalt Andreas Brandt antwortet: „Schwedt hat ein Problem mit der Integration von Ausländern. Ibraimo Alberto hat Schwedt nicht verlassen, weil er hier wie viele andere keine Arbeit fand. Er war einfach immer wieder Beschimpfungen und Übergriffen ausgesetzt, hat Anzeigen erstattet, ohne dass sich etwas änderte.“ Diese ständigen rassistischen Anfeindungen gegen ihn und seine Familie sei er einfach leid, sagt sein Anwalt. „Er, der Kämpfer, der sich mit ganzer Kraft für Integration von Ausländern, für Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit stark gemacht hat, schätzt heute selbst ein, dass 25 Prozent der Schwedter ausländerfeindlich sind. Da muss man schon eindeutig sagen, dass das Projekt Integration ja wohl gescheitert ist“, meint Andreas Brandt.
Der, von dem die Rede ist, hat Anfang der Woche in Karlsruhe eine Probezeit als Sozialarbeiter begonnen. Ibraimo Alberto verließ Schwedt und sagte zum Abschied offiziell nur, er habe endlich Arbeit gefunden. Doch was er anschließend Journalisten berichtet, klingt ganz anders. Dabei war der 48-Jährige in Schwedt öffentlich geachtet, wurde für die SPD ins Stadtparlament gewählt, trainierte Kinder, leitete Workshops, einen Jugendklub und trat für die Anerkennung von Ausländern vor Behörden ein. Seine Freunde jedoch erlebten, dass er unzählige Male von Pöbeleien, Bedrohungen, Anfeindungen berichtete. „Er hat hier klar die Unterstützung vermisst, fühlte sich im Stich gelassen, von Feinden beobachtet“, erklärt Anwalt Brandt. Der sieht klare Tendenzen für eine Verdrängung des Problems: „Bei dem Vorfall auf dem Fußballplatz, bei dem Ibraimo Alberto bedroht und sein Sohn rassistisch beleidigt wurde, haben eine Menge Leute zugeschaut und sich verhalten wie im Theater. Selbst bei der Drohung ,Ich prügel dich tot!‘ hat keiner eingegriffen, man hat sich eher gefreut über die Aktion“, berichtet Brandt im Auftrag seines Mandanten.
Ehefrau Birgit Alberto schildert, dass die Situation für sie immer unerträglicher wurde. „Es gab keinen Spieltag, an dem unser Sohn nicht von Beleidigungen gegenüber anderen Ausländern im Team berichtete. Er hat mir natürlich nicht gesagt, was er alles zu hören bekam, weil er mich schützen wollte.“ Ibraimo Albertos Frau lebte ständig in Angst um ihre drei Kinder, leidet unter Depressionen und ist deshalb arbeitsunfähig.
Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) gab etlichen überregionalen Medien Interviews. Er mühte sich, auch Erfolge der Integration darzustellen, nannte es mutig und ein Signal, Alberto als Ausländerbeauftragter einzusetzen. „Ich will aber auch nichts unter den Teppich kehren. Es gab Übergriffe, und ja, wir haben offenbar Probleme mit Zivilcourage, so wie in anderen Städten auch.“ Vor einer Woche hatte Bürgermeister Polzehl noch sein Unverständnis über die Vorwürfe Albertos geäußert.